Vatikanstadt

Kommentar um "5 vor 12": Armin der Halbe

Armin Laschet weiß sein katholisches Profil zu nutzen. Aber er spricht nur die eine Hälfte des Spektrums an.
Ministerpräsident Laschet beim Papst
Foto: - (Osservatore Romano) | Laschet streicht immer wieder sein katholisches Profil heraus. Das Bild zeigt Laschet bei einer früheren Audienz im Jahr 2018.

Ein Königreich für ein Narrativ. Oder besser: Ohne Narrativ kein Königreich. Wer heute Kanzler werden will, der muss seinen Wählern mehr bieten als ein innovatives Programm oder ein paar spritzige Reden. Der Kandidat ist die Botschaft, die Person ist das Programm. Und der Kern dieser Botschaft spiegelt sich nicht in den Paragraphen in dicken Parteiprogrammen wider, sie vermittelt sich eben über die eine große Erzählung. Dramaturg, Regisseur und natürlich Hauptdarsteller ist der Kandidat. Armin Laschet, der Kandidat für den CDU-Vorsitz und Aspirant auf den Kanzler-Stuhl, schreibt heute an einem wichtigen Kapitel seiner Erzählung weiter: Er trifft in Rom zu einer Audienz mit Papst Franziskus zusammen. Laschet streicht immer wieder sein katholisches Profil heraus. Der Aachener hat seine Frau Susanne, die in Rom mit dabei ist, im Kirchenchor kennengelernt. Mit Papst Franziskus, dem seine ganze Sympathie gehört, trifft er schon zum dritten Mal zusammen. Aber will Laschet das Katholiken-Kapitel zum zentralen Teil seiner Erzählung machen?

Laschet bietet eine große Erzählung

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Vor einigen Wochen wurde viel über Laschet gelacht: In einer neuen Biographie hieß es, Laschets Bruder habe Ahnenforschung betrieben und könne nachweisen, dass die Laschets sich bis auf Karl den Großen zurückführen können. Die Lacher könnten bald verstummen. Denn hier zeigt sich, Laschet hat etwas für eine große Erzählung zu bieten: Armin der Karolinger. Eine Büste von Karl dem Großen steht jetzt schon in seinem Büro. Wenn Laschet wirklich etwas aus dem Vorteil gegenüber seinen Mitkonkurrenten Merz und Röttgen machen will, dann muss er aber nun auch die Geschichte weitererzählen. Sonst bleibt im Gedächtnis nur die Geschichte von dem Landesfürsten, der gerne ein Kaiser wäre.

Dabei gibt es auch schon Versatzstücke, die sich zu diesem Profil zusammenfügen lassen. Da war Laschets Eintreten für Subsidiarität und Föderalismus in der Corona-Krise, sein Plädoyer dafür, die Grenzen zu den EU-Nachbarn offen zu lassen. Das alles passt bestens zum karolingischen Profil – vor allem zum Erbe der „neuen Karolinger“ Konrad Adenauer und Robert Schuman. Nur dann müsste schnell ein Schlüsselwort fallen: „Christliches Abendland“. Nicht als Baustein in einer Sonntagsrede zur Karlspreisverleihung, sondern ausbuchstabiert als Orientierungsbegriff für eine christdemokratische Politikvision.

Noch keine christdemokratische Politikvision

Bisher drückt sich Laschet darum. Vielleicht auch weil er Angst hat, seine Unterstützer im eher linkskatholischen Bereich zu vergraulen. Aber Laschet muss verstehen, wenn er Armin der Karolinger werden will, dann muss er das gesamte katholische Spektrum ansprechen. Dann geht es nicht nur um offene Grenzen und Hilfe für Flüchtlinge, sondern auch um Lebensschutz und die Gefahren für die europäische Identität durch den politischen Islam. Sonst bleibt er Armin der Halbe.

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