Kommentar: Tod auf Rädern

Von Stefan Rehder

Lange schien es eine „conditio sine qua non“ zu sein: Um dem „Tod auf Rädern“ zu begegnen, musste man selbst unterwegs sein. Denn als solcher wurden bislang jene Auto- und Motorradfahrer bezeichnet, die sich und andere durch unverantwortliches Fahrverhalten in tödliche Gefahr bringen. Die Strafen, die solche Verkehrssünder auch dann erwarten, wenn gar kein Schaden entsteht, sind überall die gleichen und reichen von saftigen Geldstrafen bis zum dauerhaften Entzug der Fahrerlaubnis. Und obwohl die rücksichtslosen Raser Schaden für Leib und Leben „bloß“ in Kauf nehmen, findet niemand, das Strafmaß sei unverhältnismäßig hoch. So gesehen mutet es grotesk an, dass der „Tod auf Rädern“, der ab dem kommenden Monat durch die Niederlande rollen soll und dessen Ziel darin besteht, Leben auszulöschen, straffrei davonkommen soll. Zwar begründet die „Niederländische Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende“ die Einführung der motorisierten Todesschwadronen, die aus einem Arzt und einem Pfleger bestehen sollen, mit der Behauptung, es gäbe immer noch Menschen, die die legalisierte „Sterbehilfe“ wünschten, aber keinen Arzt fänden, der dazu bereit sei. Was, wenn es wirklich zuträfe, freilich das Natürlichste der Welt wäre. Denn Ärzte, die sich ihrem Berufsethos verpflichtet wissen, verstehen sich nun einmal als „Heiler“, nicht als „Henker“. Daher begreift auch nur derjenige den „frei Haus“ gelieferten Tod richtig, der in ihm ein weiteres Vertriebsmodell erblickt. Eines, bei dem gewissenlose Geschäftemacher statt Pizza oder Frühlingsrollen den Tod „verticken“ und den Henkern „vor Ort“ mobile Konkurrenz erwächst. Weil Konkurrenz das Geschäft belebt, wird die Zahl der Opfer des „selbstbestimmten Todes“ weiter steigen und die Zahl derjenigen, welche die ohnehin lächerlichen „Sorgfaltskriterien“ einhalten, weiter abnehmen. Fest steht auch: In einer humanen Gesellschaft würde dem neuen „Tod auf Rädern“ nicht der Führerschein, sondern die Approbation entzogen. In einer inhumanen aber wird er auch die gefahrenen Kilometer noch abrechnen können.

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