Kommentar: Steuergelder für Eugenik

Von Stefan Rehder

Als der Bundestag im Frühjahr 2008 das 2002 beschlossene Stammzellgesetz wieder novellierte, um deutschen Forschern den Import von neuen, aus menschlichen Embryonen gewonnenen Stammzelllinien zu ermöglichen, da stand Bundesforschungsministerin Schavan (CDU) im Zentrum der Kritik. Nicht nur Lebensrechtler fragten sich damals, wie eine bekennende Katholikin eine Forschung gutheißen und fördern könne, für deren Ermöglichung menschliche Embryonen getötet werden müssen. Sowohl in ihrem Wahlkreis als auch in ihrer Partei wurde die langjährige Gremienkatholikin bei den folgenden Wahlen für ihre Position, welche auch die der Kanzlerin und CDU-Parteichefin Merkel war, hart abgestraft. Als dann in Deutschland über die inzwischen erfolgte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) debattiert wurde, da schien es, als hätten die Kanzlerin und ihre Forschungsministerin dazugelernt. Wenn nicht aus Überzeugung, so doch wenigstens aus Angst vor den Wählern. Merkel positionierte sich früh, wenn auch – wie es ihre Art entspricht, nicht besonders leidenschaftlich – gegen die Zulassung der PID. Die Forschungsministerin folgte ihr auch diesmal. So schien es, jedenfalls.

Denn nun hat die Lebenshilfe, die sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen wie dem Down-Syndrom (Trisomie 21) einsetzt, herausgefunden, dass das von Schavan geleitete Ministerium die Entwicklung eines neuartigen Gentests fördert, der schwangeren Frauen ziemlich zuverlässig Auskunft darüber geben soll, ob das erwartete Kind Träger des Syndroms ist. Das wäre nicht schlimm, zöge die Down-Diagnose nicht faktisch so gut wie immer eine Abtreibung nach sich. Mehr noch: Der Test ist so einfach, dass damit zu rechnen ist, dass in Zukunft noch mehr Frauen ihre ungeborenen Kinder auf Trisomie 21 testen lassen werden als bisher. Schavan ist nicht zu beneiden. Wie soll man auch erklären, dass man eugenische Konzepte mit Steuergeldern fördern und gleichzeitig davon überzeugt sein kann, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist?

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24.09.2021, 10 Uhr
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