Kommentar: So wird weiter Druck gemacht

Foto: DT | Markus Reder.
Foto: DT | Markus Reder.

Papst Franziskus hat für Limburg eine kluge Entscheidung getroffen. Sie eröffnet die Möglichkeit, dass zunächst Ruhe, Vernunft und Besonnenheit einkehren kann, ehe es zu einer endgültigen Lösung kommt. Die Situation beruhigen, Vorwürfe überprüfen, Verantwortlichkeiten für Fehler benennen: Das wären angesichts einer völlig überhitzten Auseinandersetzung die wichtigsten Voraussetzungen für jeden weiteren Schritt. Nun zeigt sich allerdings überdeutlich, in Limburg haben maßgebliche Kräfte gar kein Interesse an einer Beruhigung der Lage. Stattdessen gibt es für sie nur ein Ziel: Der Bischof muss weg. Das Domkapitel hat diese Losung bereits unmittelbar nach der Entscheidung des Papstes ausgegeben. An diesem Ziel wird beharrlich weitergearbeitet. Da scheut man auch nicht davor zurück, Druck auf Mitarbeiter auszuüben. Ganz nach dem Motto, wer für Bischof Tebartz auch nur den Hauch einer Zukunft sieht, der hat selber keine mehr. Wo um Himmelswillen sind wir eigentlich gelandet, wenn solche Methoden Einzug in die Kirche halten? Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, inoffizielles Sprachrohr der „Bischof-muss-weg-Bewegung“, hat nun in einem Brief den Papst für seine Entscheidung kritisiert. Mit Tebartz könne es keinen Meter mehr weiter gehen, schreibt zu Eltz. Er werde alles tun, dass auch Rom das einsieht und das Domkapitel bald einen neuen Bischof wählen kann, so der Domkapitular.

Wenn das Schule macht, dass ein Domkapitel erst den eigenen Bischof mitdemontiert, um sich dann einen passenderen zu wählen, können sich viele Bischöfe warm anziehen – auch solche, die bescheiden leben, aber aus theologischen Gründen im Kampf um den Kurs der Kirche stören. Im „Fall Limburg“ geht es längst nicht mehr „nur“ um Kostenexplosionen und Kirchenfinanzen, um einen Bischof, der Fehler gemacht hat, und nun gejagt wird. Limburg wird mehr und mehr zum Menetekel, was aus Kirche wird, wenn sie sich vom Evangelium entfernt und andere Interessen ihr Handeln bestimmen. Wer sich da mit Grauen abwendet, den kann man verstehen.

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer