Kommentar: Seehofer allein zu Haus

Von Jens Hartner

Klappern gehört zum Handwerk. Beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau zumal. Understatement und Sachlichkeit erwartet hier niemand. Deshalb vermisst sie auch keiner. Die Seele des Parteivolkes gilt es hier durch Ausfälle gegen den politischen Gegner zu streicheln. Dennoch hat Horst Seehofers gestern mit röhrender Stimme vorgetragene Philippika etwas vom Pfeifen im Walde. Hier wollte sich jemand Mut machen.

Denn der breitbeinige Auftritt des Parteichefs kann nicht verbergen, dass es nach dem atemberaubenden Abgang der Lichtgestalt Guttenbergs recht finster ausschaut für die Christsozialen. Denn es ist weit und breit niemand in Sicht, der den gescheiterten Baron ersetzen könnte. Die sagenhafte Popularität, die Guttenberg genoss, wird nun nicht mehr auf Seehofers Mühlen umgelenkt werden können. Seehofer steht jetzt allein auf offener Bühne. Das Problem ist nur, dass er nicht so recht weiß, welches Stück er jetzt aufführen soll. Noch ist Zeit bis zu den Wahlen in Bayern. Doch im September 2013 wird es für die Zukunft des Mannes Seehofers zum Schwur kommen: Sollte ihm, dem mehr Geduldeten als Geliebten, dem Unberechenbaren und Wendigen, bis dahin nicht die Lösung eingefallen sein, wie der CSU die absolute Mehrheit zurückzuerobern sei, dann wird es ihm nicht anders ergehen als dem unseligen Tandem Beckstein und Huber.

Bundespolitisch setzt die CSU gegenwärtig auf christlich-nationale Profilschärfung. Stichwort christliche Leitkultur Deutschlands. Dagegen ist nichts zu sagen. Das ist vor allem in der Sache notwendig, nachdem die große Schwester CDU hier ein Totalausfall ist. Damit lassen sich aber auf Dauer keine thematischen Blößen überdecken, die sich die CSU schon seit längerem gibt. Hektisch vom Parteichef oktroyierte Maßnahmen wie die Frauenquote für CSU-Parteiämter wirken da nur hilflos und lassen an Seehofers programmatischer Kraft zweifeln. Und das Spekulieren auf Guttenbergs Rückkehr, die in den Sternen steht, lässt Seehofer auch nicht größer erscheinen.

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