Kommentar: Saudische Versuchungen

Von Friedrich von Westphalen
Foto: DT | Friedrich von Westphalen.

Nicht nur zwiespältig, sondern verheerend wäre es, wenn Saudi-Arabien seinen Plan verwirklichen sollte, mit Zustimmung Washingtons Bodentruppen in den syrischen Krieg zu schicken. Sicherlich, es ist unbestreitbar, dass der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) nicht allein durch Luftangriffe besiegt werden kann. Doch wenn sich jetzt ausgerechnet Riad in den syrischen Krieg aktiv mit Bodentruppen einmischt, dann ist es wahrscheinlich, dass der ohnehin kaum noch beherrschbare Flächenbrand wohl nicht mehr zu löschen sein wird, bevor das Land ganz von der Landkarte gelöscht ist.

Russland unterstützt das Assad-Regime. Im Rahmen des formalen Völkerrechts handelt es sich dabei um eine „invited intervention“, die zulässig ist, weil Baschar al-Assad als Präsident um militärische Hilfe gegen die „Rebellen“ gebeten hat. Moskau würde es deshalb nie und nimmer hinnehmen, wenn Riad mit Bodentruppen intervenierte; und das formale Völkerrecht stützt die Haltung des Kreml. Moskau verfolgt im Übrigen nachhaltig eigene Machtinteressen in der Region, nicht zuletzt, weil der Flüchtlingsstrom so befeuert und die EU und nicht zuletzt die Regierung Merkel so destabilisiert werden sollen.

Auch Teheran wird nicht zulassen, dass die Saudis dem Iran den Einfluss auf Assad und auf Syrien streitig machen. Teheran würde also seinerseits Truppen entsenden und mit Raketen eingreifen: Der „Stellvertreterkrieg“ in Syrien erhielte dann eine neue, auch für Europa lebensgefährliche Dimension. Nicht auszuschließen wäre auch, dass die Türkei aktiv in den Konflikt eingreift. Schwerlich wird sich Ankara untätig damit abfinden, dass alle noch fluchtfähigen Syrer in der Türkei Schutz suchen.

Die kaum begonnenen Friedensgespräche über die Zukunft Syriens würden sicherlich nicht mehr aufgenommen, wenn Riad mit Zustimmung Washingtons Bodentruppen entsenden sollte. Dann regiert nur noch der Kriegsgott Mars. Und der IS verteidigt seinen Staat mit Hilfe von Senfgas. Wer kann dieses Knäueln dann noch entwirren? Vermutlich nur noch die Beter.

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