Kommentar: Roms Treue zur Märtyrerkirche

Von Stephan Baier
Stephan Baier
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Papst Franziskus hat am Samstag Bischöfe der griechisch-katholischen Kirche aus der Ukraine empfangen und ein Schreiben an deren Oberhaupt, Großerzbischof Schewtschuk, gerichtet (siehe Seite 4). Diese Zeichenhandlung päpstlicher Verbundenheit war nicht nur wichtig, sondern dringlich: Wichtig, weil die mit Rom vereinte Kirche des byzantinischen Ritus in der Ukraine wegen ihrer Treue zum Nachfolger Petri zur Märtyrerkirche wurde. Dringlich, weil sie angesichts der Erklärung von Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill auf Kuba den Eindruck gewinnen konnte, von Rom zu einer Fußnote der Geschichte herabgewürdigt worden zu sein. Dass sich der Papst öffentlich vor jenen verneigt, die um den Preis des Martyriums treu zum Glauben und zur Gemeinschaft mit Rom standen, ist bedeutsam, denn vor sieben Jahrzehnten versuchte Stalin die unierten Ukrainer zu liquidieren – und das Moskauer Patriarchat assistierte ihm dabei. Die „Unierten“ überlebten im Untergrund. Und der Vatikan folgte bald anderen Prioritäten – bis Johannes Paul II. sich zur verfolgten Märtyrerkirche bekannte und sie vor dem Erlöschen bewahrte.

Das erklärt, warum unierte Ukrainer die Begegnung von Kuba so skeptisch sahen und sich durch die Erklärung in ihrer Skepsis noch bestätigt fühlten: Dort wird ihnen zwar ein Existenzrecht eingeräumt, was aus vatikanischer Sicht ein Zugeständnis Moskaus ist, für das Kyrill in Russland durchaus kritisiert wird. Gleichzeitig wird der „Uniatismus“ aber als Weg zur Kircheneinheit verworfen. 25 Jahre nach ihrem Aufstieg aus den Katakomben in die Freiheit stellte sich diese unierte Kirche jetzt die Frage, ob sie im ökumenischen Dialog zwischen Moskau und Rom zur Randfigur degradiert wurde, oder gar zum Bauernopfer im ökumenischen Spiel – zumal die russische Orthodoxie heute der Politik Putins nicht weniger gefügig assistiert wie vor 70 Jahren die Politik Stalins. Diese durchaus verständliche Sorge der „Unierten“ hat der Papst mit seiner Geste ausbalanciert. Die mit dem Blut Tausender bezeugte Treue der ukrainischen Märtyrerkirche zu Rom wird vom Nachfolger Petri erwidert.

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