Kommentar: Putins Einfluss in Nahost

Von Jürgen Liminski
Jürgen Liminski
Foto: DT | Jürgen Liminski.

Bei allem Fanatismus, es gibt noch Realpolitik im Nahen Osten. Ein Beispiel dafür liefert ausgerechnet der saudische König Salman Bin Abdelazis al Saud. Sein Besuch in Moskau, der erste eines saudischen Monarchen in dieser Hauptstadt der Ungläubigen, kann zu Recht als Meilenstein bezeichnet werden, wie Putin das auch tat. Die beiden haben offenbar gemeinsame Interessen ausgemacht, die über die aktuelle Lage hinausgehen. Putin ist der dominierende Einfluss der iranischen Mullahs auf das Regime Assad ein Dorn im Auge. Er traut den Iranern nicht. Gegenwärtig verhindert er bei der Endschlacht gegen den Islamischen Staat, dass die Mullahs eine Landverbindung von Teheran bis ans Mittelmeer aufbauen und den Schiiten-Raum ausdehnen. Das will auch Riad verhindern. Die Russen wollen mehr als nur im Assad‘schen Alawitengebiet ihren Flughafen in Latakieh und ihren Tiefseehafen in Tarsus absichern, sie wollen auch Gestaltungsmacht in der Region erlangen oder wenigstens mitreden, wenn nach der Eroberung der letzten Hochburgen des IS die Karten in Syrien und im Irak neu verteilt werden. Salman öffnet Putin dafür eine kleine Tür und zeigt gleichzeitig Washington, dass Riad auch in andere Richtungen allianzfähig ist. In diesem Sinn sind auch die Waffenkäufe zu verstehen. Sie sind ein Signal. Wichtig ist für die Saudis, dass die schiitischen Todfeinde im Iran regional eingedämmt werden. Amerikas Schwanken gegenüber dem Iran macht sie unsicher.

Putin ist der Gewinner der Lage. Er redet mit allen, mit Erdogan, den Israelis, mit Assad, den Iranern und jetzt mit den Saudis. Selbst mit den Kurden ist er im Gespräch. Er hat das Vakuum genutzt, das Obama hinterlassen hatte und das Trump bisher nicht in der Lage war neu zu füllen. Ohne militärische Präsenz lässt sich in diesem Raum eben keine Real-Politik machen. De Gaulles Wort vom „Schwert als Achse der Welt“ trifft auf keine andere Region so schneidend zu wie in Nahost. Als angenehmes Kollateral-Ergebnis kann man die Absprachen über die Ölproduktion und damit den Ölpreis betrachten. Davon werden beide profitieren. Und die Europäer werden zahlen.

Themen & Autoren

Kirche