Kommentar: Ökumene am Heiligen Grab

Foto: DT | Guido Horst.

Es ist der wichtigste Schrein der Christenheit, der, glaubt man den Experten, gerade noch rechtzeitig vor dem Kollaps umfassend instandgesetzt wurde. Strahlend und ohne britische Eisenkrücken steht die Kapelle über dem Grab Christi nun wieder in der Rotunde der Jerusalemer Grabeskirche. Doch wichtiger als die äußere Restaurierung der Grabkapelle ist etwas anderes: Im historischen Herzen der Christenheit haben sich drei große Konfessionsgruppen zusammengerauft. Ihrem schlechten Ruf als eifersüchtige Streithähne zum Trotz einigten sich Griechen, Armenier und lateinische Katholiken auf die Restaurierung des gemeinsam getragenen Heiligtums. Drei weitere Konfessionen haben die Arbeiten als Nutznießer der Kirche mitgetragen.

Mitten in der Fastenzeit, in einem Jahr, in dem das Osterfest nach dem julianischen Kalender der Ostkirchen und dem gregorianischen Kalender der Westkirchen auf denselben Tag fällt, feiern sie nun gemeinsam den Abschluss der fast einjährigen Instandsetzungsarbeiten der Stätte der Auferstehung. Während das Expertenteam der Technischen Universität Athen Stein für Stein den Dreck der Jahrhunderte von dem Gebäude entfernte und die Wunden der Geschichte heilte, trafen sich die Konfessionsvertreter regelmäßig zum Austausch. Neben dem Fortschritt der Arbeiten hatte auch der Alltag Platz in den Gesprächen.

Das Grab blieb während der gesamten Zeit für die Geistlichen und die Pilger geöffnet. Aber der baustellenbedingt beengte Platz ließ die Bauherren zusammenrücken. Der mitunter raue Ton in der Grabeskirche ist sanfter geworden, und je heller der restaurierte Marmor strahlte, desto freundlicher schienen auch die Gesichter. Das Grab ist leer und die Ökumene lebt. Das manifestiert sich in diesen Tagen deutlich an jenem Ort, der den ersten Wendepunkt in der christlichen Geschichte markiert. Der millionenschweren Restaurierung der wichtigsten äußeren Stätte wohnt damit zugleich vielleicht eine prophetische Dimension von unschätzbarem Wert inne: dass die Einheit der Christen möglich sein könnte.

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer