Kommentar: Mehr Grammatik lernen

Von Alexander Riebel
Alexander Riebel
Foto: DT | Alexander Riebel.

Grammatik ist keine Privatsache. Sie braucht feste Regeln, weil die Wirklichkeit der Arbeitswelt feste Regeln fordert. Aber nicht nur bei Bewerbungen wird richtige Grammatik verlangt, auch Zeitungsleser zum Beispiel dürfen erwarten, dass Wörter und Satzbau nicht nach Belieben angefertigt werden. Darum darf es nur in Donald Duck-Heftchen heißen: „Dem Redakteur ist nichts zu schwör.“ Ja, er soll sich Mühe geben, richtig zu schreiben.

Jahrelang hatten aber Pädagogen den Schülern das Lernen erleichtern wollen und auf grammatische Regeln verzichtet. Normenverzicht ist heute Mainstream, bloß keine Bindung an Regeln. So auch in der Schule. „Schreiben durch Gehör“, nennen das Pädagogen, oder „Lesen durch Schreiben“; wie im gerne zitierten Beispiel: „Wia gen in den tso.“ Ist es aber nicht auch ein Zugeständnis an diese Methode, wenn im Duden aus Portrait nun Porträt geworden ist oder Friseur und Frisör bereits gleich gültig sind? Die Schreibmethode nach Gehör haben jetzt mehrere Bundesländer verboten, wie Hamburg und Baden-Württemberg. Schleswig-Holstein überlegt noch. Warum wird in den naturwissenschaftlichen Fächern Genauigkeit gefordert, in der Sprache aber nicht? Allein das hartnäckige und jahrzehntelange Bestehen der Sprachphilosophie deutet darauf hin, dass Sprache mit Bewusstsein und dem Erleben von Wirklichkeit zu tun hat. Und tatsächlich war ein Ziel dieser Pädagogen, mit dem Schreiben durch Gehör die individuelle Lernfähigkeit der Schüler zu berücksichtigen. Aber das Ergebnis ist das Gegenteil. Der individuelle Schreibstil, den sich Schüler angeeignet haben, muss später wieder geändert werden. Ein überflüssiger Lernprozess, der dem Schüler nichts bringt, aber schadet, wie Bildungsstudien ergeben haben. Diese Pädagogik sieht aus wie die willige Übernahme des Hip-Hop-Jargons, in dem für killer auch killa geschrieben wird oder U ARE „Du bist“ bedeutet. Kinder müssen davon verschont werden, mit Kreativität hat das nichts zu tun. Umso wichtiger ist es, wenn der Wert der Sprache wieder erkannt wird.

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