Kommentar: Klarheit a la Franziskus

Von Guido Horst
Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.

Das ist die neue Informationspolitik, an die man sich gewöhnen muss, wenn man wissen will, was Papst Franziskus in die Kirche kommunizieren will. Das Gerangel um das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ ist ja nicht unwichtig – immerhin waren Kardinäle daran beteiligt, deren Stimme Einfluss hat: Christoph Schönborn, Gerhard Müller, Carlo Caffarra, Raymond Leo Burke und andere mehr. Vor allem aber wollen viele Priester in der ganzen Welt wissen, was sich denn jetzt in der seelsorglichen Begleitung von Personen in irregulären Beziehungen geändert hat. Also dachten sich Franziskus und der Kreis seiner Vertrauten in Santa Marta, sie lassen eine bischöfliche Interpretation des achten Kapitels erarbeiten und der Papst autorisiert diese dann, so dass Klarheit herrsche in der katholischen Welt.

Das Bekanntwerden des entsprechenden Dokuments der Bischöfe des Großraums Buenos Aires und des dazu gehörenden Reskripts des Papstes vom gleichen Tag begann Anfang dieser Woche damit, dass in einem amerikanischen Blog vermeldet wurde, es sei ein Brief des Papstes an argentinische Bischöfe aufgetaucht, dieser sei aber eine Fälschung. Verwunderung im Netz, einige zogen das Papstschreiben wieder von ihrer Seite runter. Am Dienstag dann bestätigte der „Osservatore Romano“ in einem nicht gezeichneten Artikel – der kam also von „ganz oben“ – die Existenz und die Echtheit des Briefs von Franziskus und fasste kurz das Schreiben der Bischöfe zusammen. Nun wollten viele lesen, was denn die argentinischen Bischöfe ihren Priestern genau empfehlen – deren Schreiben steht aber nur auf Spanisch im Netz. Eine amerikanische Homepage fertigte daraufhin eine eigene Übersetzung ins Englische an. Allmählich also sickert durch, wie Franziskus das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ interpretiert sehen will, mit nicht ganz unwichtigen Konsequenzen für die Sakramentenpastoral. Manche Beichtväter werden stöhnen: Wenn sie wissen wollen, was des Papstes Wille ist, brauchen sie schon einige Stunden, um sich die Details im Internet zusammenzuklauben.

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