Wien

Kommentar: Islam unter der Lupe

Nicht die Aufklärung, sondern die eigene Wurzel unterscheidet Islam und Christentum. "Schwarze Schafe" von der Herde zu trennen ist die beste Prävention gegen Islamophobie.

Zentralmoschee der DITIB in Köln
Muslime in Europa müssen die Merkmale eines Rechtsstaats für selbstverständlich erachten. Im Bild: die Zentralmoschee der DITIB in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)

Widerlegt ist die alte Hoffnung, der Islam sei eine Art christlicher Häresie, also seien die islamischen Glaubensgemeinschaften in Europa irgendwie Kirchen und als solche ins säkulare Panoptikum der Religionen und Weltanschauungen einzusortieren. Glaubensferne Politiker machen sich diese Illusion gerne, um alle Religionen gleich zu behandeln - und sich dabei wunderbar tolerant zu fühlen. Mordbuben, die Un- und Andersgläubigen die Köpfe abschlagen, Extremisten, die ein Kalifat mit Schariarecht und Dhimmi-Status für Nichtmuslime herbeireden, haben diese Illusionen zerschlagen. Immer mehr Politiker in Europa spüren, dass es da ein Problem gibt: Sie wollen die europäische Errungenschaft der Religionsfreiheit auch für gläubige Muslime um jeden Preis sichern, nur nicht um den Preis der Aufgabe europäischer Werte.

Europäische Demokratie muss sich gegen Entkernung wehren

Gleiche Rechte für Frauen und Männer, Gleichberechtigung aller Bürger unabhängig von ihrer Religion, Verbindlichkeit des Rechtsstaates für alle: das muss für Muslime in Europa selbstverständlich sein. Wenn Salafisten oder Ideologen, die den Islam als Instrument ihrer Machtmaximierung sehen, die Demokratie als bloße Form missverstehen, die sie mit ihren eigenen Inhalten füllen können, ist Widerstand angesagt. Die europäische Demokratie muss sich gegen ihre Entkernung wehren. Das ist auch im Interesse jener Muslime, die lieber in Europa leben als in Tschetschenien oder Afghanistan. Nur dürfen die dann nicht schmerzerfüllt "Islamophobie!" schreien, wenn europäische Rechtsstaaten die islamischen Communities unter die Lupe nehmen. Die offensichtlich vorhandenen "schwarzen Schafe" von der Herde zu trennen, ist nicht nur eine Form von Notwehr des demokratischen Rechtsstaates, sondern auch die beste Prävention gegen Islamophobie.

Die These, der Islam habe bloß die dem Christentum widerfahrene Aufklärung nachzuholen, greift jedoch zu kurz. Nicht die Aufklärung, sondern die eigene Wurzel unterscheidet Islam und Christentum: Mohammeds Reich war durchaus "von dieser Welt".

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