Berlin

Kommentar: Gründer statt Erben

Hinsichtlich unserer wirtschaftlichen Zukunft gibt es extrem pessimistische wie optimistische Prognosen. Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung werden allein nicht durch Regierungen verhindert, sondern durch den Arbeits- und Aufbauwillen von Menschen.

Corona-Krise - Autobranche
Das Wirtschaftswunder gelang nicht, weil es in den Trümmern nach dem Zweiten Weltkrieg so wahrscheinlich gewesen wäre. Sondern weil es eine Gründergeneration gab, die bereit war, jene Bäume zu pflanzen, deren Früchte erst ihre Kinder und Enkel ernten. Foto: Liu Kun (XinHua)

Wie ein schrecklicher, unausweichlicher Schicksalsschlag kam die Corona-Pandemie über uns. Und danach? Manche Ideologen (ob sie nun Politiker, Publizisten oder Börsengurus sind) wollen uns einreden, alle Lehren aus der Krise und die „neue Normalität“ seien glasklar, alternativlos, eindeutig. Doch nein, das sind sie nicht: Widerstreitende Ideen und Visionen präsentieren sich – und das ist gut so.

In welcher Gesellschaft wollen wir morgen leben?

Zunächst gilt es zu unterscheiden: Was ist tatsächlich „fatum“ (Schicksal), was hängt von den Weichenstellungen der Regierenden ab, und was liegt an uns selbst? Das Letztgenannte steckt den Freiheitsraum des Einzelnen ab. Was von uns allen beeinflussbar ist, ist von jedem Einzelnen beeinflussbar – und wird damit zur Herausforderung für unser Gewissen.

In welchem Staat und welcher Gesellschaft wollen wir morgen leben? Wie wollen wir Freiheit und Sicherheit in eine menschenwürdige Balance bringen? Was sind wir – jeder von uns, ohne den gegen unseren Nächsten gerichteten Zeigefinger – bereit, für Rechtsstaatlichkeit und Gemeinwohl zu leisten?
Vor allem hinsichtlich unserer wirtschaftlichen Zukunft gibt es extrem pessimistische wie optimistische Prognosen. Der Pessimist hat den Vorteil, dass er von den guten Nachrichten überrascht wird, aber den Nachteil, dass er seine Umgebung lähmt.

Wirtschaft ist zu einem Gutteil Psychologie

Wirtschaft ist jedoch zu einem Gutteil Psychologie: Das Wirtschaftswunder gelang nicht, weil es in den Trümmern nach dem Zweiten Weltkrieg so wahrscheinlich gewesen wäre. Sondern weil es eine Gründergeneration gab, die bereit war, jene Bäume zu pflanzen, deren Früchte erst ihre Kinder und Enkel ernten. Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung werden allein nicht durch ein anonymes Schicksal oder durch Regierungen verhindert, sondern durch den Arbeits- und Aufbauwillen von Menschen, die bereit sind, Gründer zu sein statt Erben, Vorfahren statt Nachfahren.

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