Kommentar: Franziskus setzt Akzente

Von Guido Horst

Noch absolviert Papst Franziskus Veranstaltungen, die man in der Amtszeit seines Vorgängers geplant und vorbereitet hat: Die Messe auf dem Petersplatz mit katholischen Bruderschaften aus aller Welt am 5. Mai, die Heiligsprechung von drei Seligen eine Woche später – bei deren offizieller Bestätigung im Konsistorium vom 11. Februar Benedikt XVI. auch überraschend seinen Rücktritt ankündigte –, das große Treffen mit den kirchlichen Bewegungen und neuen geistlichen Gemeinschaften am Vorabend von Pfingsten, der Besuch in einer römischen Pfarrei am Dreifaltigkeitssonntag, die den gesamten Erdkreis umfassende und von Franziskus im Petersdom geleitete eucharistische Anbetung am 2. Juni oder die beiden dem Lebensschutz gewidmeten Tage zwei Wochen später. Genau jetzt hat das „Jahr des Glaubens“ seine Höhepunkte. Zumindest in Rom. Nach der Sommerpause, die im heißen Süden etwas länger dauert, wird es im Oktober und November relativ schnell zu Ende gehen.

Aber mehr und mehr setzt Franziskus eigene Akzente – nicht nur, was seine einfache und klare Verkündigung angeht, die für viele traditionell katholischer klingt als die seines Vorgängers. Jetzt weiß man, dass der Papst im Vatikan-Hotel „Sanctae Marthae“ wohnen bleiben will. Er habe nicht in den Apostolischen Palast ziehen wollen, schrieb er jüngst dem argentinischen Pfarrer Enrique Martines. „Dorthin gehe ich nur für die Audienzen und zum Arbeiten. Ich lebe weiter im Gästehaus Santa Marta, das Bischöfe, Priester und Laien beherbergt. Dort sehen mich die Leute und ich führe ein normales Leben: Öffentliche Messe vormittags, mittags speise ich mit den anderen Gästen.“ Und wenn Franziskus müde wird, zieht er sich einen Kaffee am Automaten des Hauses. Die Predigt bei der Frühmesse mit Mitarbeitern des Vatikans wird nicht veröffentlicht – nur in einer Zusammenfassung durch Radio Vatikan. Das hat Vatikansprecher Federico Lombardi mitgeteilt. Franziskus möchte den privaten Rahmen dieser Feier wahren. Energisch geht der Jesuiten-Papst seine Wege – wo ihm das möglich ist.

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