Kommentar: Eine Revolution ist das nicht

Von Guido Horst
Guido Horst
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Bei allem, was man an Grundsätzlichem und Schönem über den vom Zweiten Vatikanum gewollten Einzug der Landessprachen in die Liturgien der vielen Länder dieser Erde mit den ihnen eigenen Idiomen sagen kann – das Ganze hat auch einen sehr banalen Aspekt: Die (Neu-)Übersetzung von liturgischen Büchern, deren Druck und Verbreitung kostet Millionen. Daran wird auch das jüngste Motu proprio von Franziskus vom vergangenen Samstag – „Magnum principium“, „Das wichtige Prinzip“ – nichts ändern. Im Kern geht es in diesem Papstschreiben um die Änderung eines Paragrafen des Kirchenrechts, der die Zuständigkeiten der Bischofskonferenzen in dieser Angelegenheit in Zukunft etwas stärkt und die der römischen Liturgie-Kongregation etwas zurücknimmt. Aber der Papst bekräftigt nach wie vor, dass die Übersetzungen dem lateinischen Original treu bleiben und in ihrem Gesamt einheitlich sein sollen. Zu glauben, dass nun eine Neuübersetzungs-Wut in den Ortskirchen ausbrechen würde, ist jedoch völlig verfehlt. Wie gesagt: Das geht ordentlich ins Geld, was in der Kirche – abgesehen von den deutschen Bistümern – bekanntlich Mangelware ist.

Was aber ist dann der Hintergrund dieses Motu proprio? Anfang dieses Jahres hat eine vom Papst eingesetzte Experten-Kommission die Frage der Liturgien in den einzelnen Landessprachen und die in der Instruktion „Liturgiam authenticam“ von 2001 geforderte Treue der entsprechenden Bücher zum lateinischen Urtext erneut untersucht. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Die Folge wird zum Beispiel sein, dass auf lange Sicht gesehen für große Sprachräume wie den englischen oder französischen gewisse kleine Unterschiede festzustellen sein werden in den liturgischen Büchern, die etwa in England oder in Kenia beziehungsweise in Frankreich oder im frankophonen Afrika verwendet werden, weil dort einzelne Ausdrücke mittlerweile andere Konnotationen erhalten haben als in anderen Weltgegenden, wo dieselbe Sprache verbreitet ist. In Deutschland wird nichts geschehen und eine Revolution ist das Ganze schon gar nicht.

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