Kommentar: Eine Revolution genügt

Von Oliver Maksan
Foto: DT | Oliver Maksan.

Fidel Castro ist tot. Der Ikone der globalen Linken werden nach seinem Tod zwar nicht viele Kränze gewunden. Aber man ist vielfach geneigt, den Mann und sein Werk über die Maßen milde zu beurteilen. Was diese Nachsicht rechtfertigen soll, ist nicht nachvollziehbar. Palmen und Sonne machen die Folgen der kommunistischen Diktatur auf Kuba vielleicht erträglicher, aber nicht besser. Mit dem Comandante werden jetzt die Versprechungen von sozialer Gerechtigkeit und Freiheit zu Grabe getragen, die zuletzt immer hohler klangen angesichts der Realität auf der Insel. Kuba entkommt seiner wirtschaftlichen Misere nicht. Die Menschenrechtslage bleibt prekär. Der Polizeistaat verteidigt das Monopol der Partei. Noch immer gibt es politische Gefangene. Die junge Generation, von der Welt aufgrund der mangelhaften Anbindung ans Internet weitgehend abgeschnitten, stimmt mit den Füßen ab.

Anfangs haben dabei auch viele Katholiken den Wechsel begrüßt. Niemand weinte Diktator Batista eine Träne nach. Dass die Insel Spielplatz amerikanischen Kapitals war, empfanden die Kubaner als Beleidigung. Doch schnell nahm der vom Linksnationalisten zum Marxisten gewandelte Castro die Kirche ins Visier. Sie hat unter seinem Regime enorm gelitten. Besonders die sechziger Jahre waren hart. Das kirchliche Schulwesen wurde zerschlagen, Orden ausgewiesen, Priester und Bischöfe schikaniert. Die Päpste haben Castro seine Verbrechen dennoch nicht vorgehalten, sondern den Blick nach vorn gerichtet. Mit Johannes Pauls II. Besuch 1998 konnte die Kirche erstmals wieder ins Licht der Öffentlichkeit treten. Seither hat es manche Entspannung gegeben. Weihnachten ist wieder Feiertag. Aber noch immer ist der Kirchenbau fast unmöglich, darf die Kirche die gezogenen Linien nicht überschreiten. Sie arbeitet derweil nicht gegen das Regime, sondern für Kuba. Sie will keine abrupte Dollar-Revolution. Sie will einen ruhigen Übergang in ein freiheitlicheres System. Papst und Bischöfe sehen im kubanischen Patriotismus die Grundlage für eine evolutionäre Veränderung. Eine Revolution ist schließlich mehr als genug.

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