Washington

Kommentar: Eine Frage des Gewissens

Anderen das Christsein abzusprechen, wenn sie bei der Wahl zwischen Donald Trump und Joe Biden nicht zum selben Urteil kommen, kann nicht die Lösung für die gesellschaftlich wie auch religiös gespaltenen USA sein.
US-Wahl: Trump oder Biden
Foto: Evan Vucci/Patrick Semansky (AP) | Wenn den Umfragen zu trauen ist, dürfte der Demokrat Joe Biden den derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump ablösen. Endgültig entschieden ist das Rennen aber noch nicht.

Es sind außergewöhnliche Zeiten, in denen die Amerikaner an die Urnen gerufen werden. Pandemie, Polarisierung, Polizeigewalt   die Liste der Probleme ließe sich mühelos fortsetzen. In dieser Gemengelage zeichnet sich ein Machtwechsel im Weißen Haus ab: Wenn den Umfragen zu trauen ist, dürfte der Demokrat Joe Biden den derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump ablösen. Endgültig entschieden ist das Rennen aber noch nicht. Und dank der Millionen von Briefwählerstimmen bleibt abzuwarten, ob nach dem Wahltag am kommenden Dienstag bereits ein Ergebnis feststehen wird.

Beide Kandidaten sind nicht ohne Makel

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Auch Amerikas Christen stehen vor der Wahl zwischen Trump und Biden. Wie schon 2016, als Trumps Gegnerin Hillary Clinton hieß, könnte man zynisch von einer Entscheidung für das geringere zweier Übel sprechen. Beide Kandidaten weisen nüchtern betrachtet Makel auf und verkörpern beileibe nicht die Heilsbringer, zu denen sie von ihren Anhängern gerne stilisiert werden. Mit Joe Biden hielten wohl wieder ein wenig Würde, Integrität und Verbindlichkeit Einzug ins Oval Office. Der Lebensschutz und andere konservative Belange dürften es dann jedoch schwer haben. Donald Trump, dem selbst Unterstützer das rüpelhafte, großmäulige Auftreten nicht absprechen, droht dem Ansehen seines Amtes langfristig Schaden zuzufügen. Lebensschützer nehmen das in Kauf, solange er die Pro-Life-Position stärkt. Und auch wenn Trump die Wahrheit gerne zurechtbiegt, wie es ihm beliebt   seine vier Jahre im Weißen Haus sind weit davon entfernt, den von manchen prophezeiten Untergang der US-Demokratie herbeizuführen.

Eine dezidiert christliche Politik kann und wird es in einem Land mit repräsentativer Demokratie nicht geben. Christen müssen stets in Kauf nehmen, zwischen unterschiedlichen Interessen abzuwägen. Trump oder Biden? Es gibt gute Gründe, beide nicht zu wählen. Letztendlich ist es eine Gewissensentscheidung, die ein jeder Christ selbst fällen muss. Fest steht aber: Dem anderen das Christsein abzusprechen, wenn man nicht zum selben Urteil kommt, kann nicht die Lösung für das gesellschaftlich wie auch religiös gespaltene Land sein.

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