Kommentar: Ein Aufbruch von unten

Foto: Droemer Knaur | Laien haben den Anstoß gegeben zum neuen katholischen Katechismus für Jugendliche „Youcat“.
Foto: Droemer Knaur | Laien haben den Anstoß gegeben zum neuen katholischen Katechismus für Jugendliche „Youcat“.

Nach dem Zweiten Vatikanum und in einer veränderten kulturellen Situation hätten viele Leute nicht mehr recht gewusst, was die Christen eigentlich glauben, was die Kirche lehre und ob sie überhaupt etwas lehren könne. Das hat Benedikt XVI. den Jugendlichen in das Vorwort des Youcat und der ganzen Kirche ins Stammbuch geschrieben. Kirchenkrise? Gotteskrise? Der Papst jedenfalls spricht unverblümt von einer Glaubenskrise, die das Volk Gottes nach dem Konzil erfasst hat. Deutschland hat die Folgen dieser Glaubenskrise gerade erst erlebt: Katholische Theologen stellen in einem Memorandum Forderungen, die dem Naturrecht widersprechen. Da ist der Glaube nicht bedroht, sondern schon völlig weggebrochen.

Es waren Laien, die den Anstoß gegeben haben, in dieser Glaubensnacht einen Katechismus für junge Leute zu verfassen. Einen katholischen Katechismus, kein Wohlfühl-Buch, sondern eine treue Wiedergabe des Glaubensschatzes, allerdings in einer Sprache, die junge Menschen wirklich erreicht. Der deutsche Papst hat diesem Projekt mehr als seinen Segen gegeben. Eindringlich legt er der Jugend im Vorwort zu dem Kompendium ans Herz: „Ihr müsst wissen, was ihr glaubt. Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem seines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Stück.“ Als Paul VI. starb, gab es – zumindest in Europa – kaum noch eine Jugend, der man das hätte zurufen können. Als Johannes Paul II. starb, war die junge Generation wieder da. Nicht nur, aber in starkem Maße durch die Weltjugendtage hatte der polnische Papst die Begeisterung der Jugend für die Sache Gottes neu entfachen können. Jetzt, beim Weltjugendtag in Madrid, haben alle jungen Teilnehmer den Youcat im Gepäck. Er ist ein Zeichen dafür, dass auch in der Nacht einer Glaubenskrise ein Aufbruch möglich ist – allerdings nur dann, wenn jemand die richtigen Fundamente legt: das Credo der katholischen Kirche. Ein Signal, das auch den vierjährigen Dialogprozess der deutschen Bischöfe nur befruchten kann.

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