Kommentar: „Drei-Eltern-Kind“ ist nur Türöffner

Von Stefan Rehder
Foto: DT | Stefan Rehder.
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Wer meint, bei der von Bioethikern und Bischöfen geäußerten Kritik an der von Forschern der Universität Newcastle entwickelten modifizierten Technik des Spindeltransfers werde viel Aufhebens um Wenig gemacht, hat noch nicht verstanden, um was es bei dieser Technologie geht, oder ist – ethisch betrachtet – auf den Wolf gekommen. Letzteres liefe sogar auf eine Beleidigung des Wolfes hinaus. Denn nur der Natur des Tieres ist es gegeben, das, was es tut, nicht hinterfragen zu müssen. Weshalb Tiere auch nicht „handeln“, sondern – sei es auf innere (An-)Triebe, sei es auf äußere Reize – lediglich reagieren.

Der Mensch hingegen muss sein Handeln rechtfertigen. Dabei spielt zunächst keine Rolle, ob er diese „lediglich“ vor seinem eigenen Gewissen, seinen Mitmenschen oder – wie Christen glauben – auch vor seinem Schöpfer rechtfertigen muss. Wer, wie offenbar die Mehrheit des britischen Unterhaus glaubt, die „Drei-Eltern-Kind“-Basteleien der Forscher in Newcastle (DT v. 7.2.) ließen sich mit den für möglich geglaubten Heilungserfolgungen für die vergleichsweise geringe Zahl der Menschen rechtfertigen, die an Mitchondriopathien leiden, der hat erfolgreich den Mount Everest der Naivität erklommen. Nicht nur, dass bislang niemand auch nur den blassesten Schimmer von möglichen Wechselwirkungen hat, die das Gestochere in den Genen von Menschen für diese sowie nachfolgende Generationen haben kann, auch die Tatsache, dass eine derart kostenintensive Methode für eine derart geringe Zahl von Menschen entwickelt wird, müsste jeden, der auch nur bis zur nächsten Ecke denken kann, erschaudern lassen. Selbst wer nur ansatzweise über die Förderung naturwissenschaftlicher Forschung Bescheid weiß, weiß auch, dass es hier nicht um Korrektur eines genetischen Defekts, sondern um Entwicklung einer Türöffner-Technologie geht. Mit der „Drei-Eltern-Kind“-Technologie soll das Tor für andere Keimbahn-Manipulationen aufgestoßen werden. Der Markt dafür ist längst da. Wer Wunschkindern aus dem Labor den roten Teppich ausbreitet, den schrecken auch Designerbabies nicht.

Foto: dpa | Wer Wunschkindern aus dem Labor den roten Teppich ausbreitet, den schrecken auch Designerbabies nicht.
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