Kommentar: Die Tragödie der Rohingyas

Die Tragödie der etwa 1,5 Millionen islamischen Rohingyas im Westen von Myanmar schockiert die Welt. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte beklagt gar „ethnische Säuberungen“ in dem buddhistischen Land. Die Rohingyas gelten nicht als Staatsbürger, sondern als bengalische Flüchtlinge. Damit sind sie rechtlos. Tatsächlich aber haben sie arabische, bengalische und burmesische Wurzeln. Als Reaktion auf die Unterdrückung gründeten Militante eine Befreiungsarmee. Deren Überfälle auf Militärstationen am 25. August haben die jüngste Eskalation eingeläutet. Das Militär reagierte darauf mit größter Brutalität. Befremden löst vor allem das Verhalten der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus. Gilt sie doch als Ikone der Gewaltfreiheit: Eine kleine, zarte Frau stellt sich mutig den Militärs entgegen und schafft es, sie zum Abdanken zu bewegen. Und diese Frau rechtfertigt nun das unbarmherzige Vorgehen der Sicherheitskräfte. Ist sie Teil des militärischen Denkens geworden? Oder haben ihre Kritiker einen verzerrten Blick von außen, wie sie ihnen vorhält?

Der Rohingya-Konflikt ist Teil der schwierigen buddhistisch-islamischen Beziehungen. Als sich der Islam nach Osten ausgebreitete, vernichtete er große buddhistische Reiche. Am traumatischsten war die Zerstörung der Klosteruniversität im indischen Nalanda im Jahre 1202. Diese Barbarei führte zu einer Fluchtbewegung buddhistischer Gelehrter nach Burma. Dort erlebte der Buddhismus einen Aufschwung, doch die Flüchtlinge brachten auch das Trauma der Zerstörung mit. So herrscht in Myanmar bis heute ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Islam, das eine Friedensnobelpreisträgerin mit den Militärs verbindet. Die Rohingyas sind aber auch Opfer der verweigerten Solidarität der islamischen Welt. Die Nachbarländer Bangladesch, Malaysia und Indonesien versuchen ihre Grenzen vor den Flüchtlingen zu verschließen und die reiche arabische Welt unterstützt lieber die Militanten als die Zivilisten in den Flüchtlingslagern. Siehe Meldung 2

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