Kommentar: Die Freiheit aller Freiheiten

Von der Kreuzigung Christi und der Verfolgung seiner Apostel bis zu den Märtyrern, die Opfer der atheistischen Ideologien des 20. Jahrhunderts wurden, ist die Geschichte des Christentums auch eine Leidensgeschichte. Dass der Glaubende immer wieder Verhöhnung und Verfolgung, Diskriminierung und Unterdrückung standhalten muss, erfuhren Christen zu fast allen Jahrhunderten. Sie erfahren es schmerzlich auch heute, denn Christenverfolgung hat auch nach dem Ende der anti-christlichen kommunistischen Regime weiter Konjunktur. Insofern kann es nicht überraschen, dass Papst Benedikt XVI. den kommenden Weltfriedenstag unter das Motto „Religionsfreiheit, der Weg zum Frieden“ stellt und die Religionsfreiheit als „Freiheit aller Freiheiten“ bezeichnet. Er führt damit fort, was das Zweite Vatikanum und Papst Johannes Paul II. der Welt deutlich zu machen versuchten: dass jede Verletzung oder Einschränkung der Religionsfreiheit die Würde des Menschen schändet.

So klar war dies auch im christlichen Abendland nicht immer: Das blutig erkämpfte Prinzip „cuius regio, eius religio“ brachte nur den Fürsten Religionsfreiheit, nicht ihren Untertanen. Ähnlich denken heute noch viele: In manchen Ländern des Orients ist der Islam Staatsreligion, billigt den Christen keine Rechte (in Saudi-Arabien) oder nur Kultusfreiheit ohne Bekenntnisfreiheit zu (in den meisten arabischen Staaten). In Europa kämpft eine laizistische Lobby dafür, einen ideologischen Säkularismus zur Staatsreligion zu erheben, drängt die Religion ins Private, ins Ghetto und vielleicht bald wieder in die Katakomben.

Der Papst wirbt unermüdlich für seine Sicht der Religionsfreiheit: Im Dialog mit den Muslimen plädiert er für eine wechselseitige Anerkennung der Gottgläubigen und erinnert an einen Grundsatz des Koran, wonach es „keinen Zwang im Glauben“ gebe. Im Dialog mit dem Säkularismus beweist er, dass die Menschenrechte mit der Religionsfreiheit stehen und fallen, und dass ohne sie auch die Errungenschaften der Aufklärung im Wind neuer Totalitarismen verwehen.

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