Kommentar: Die Europäer haben Angst

Von Stefan Meetschen
Stefan Meetschen.
Foto: DT | Stefan Meetschen.

Unklarheiten nach Flugzeugabstürzen sind, so makaber das klingen mag, normal. Unklarheiten gab es unmittelbar nach dem Absturz der Boing von Malaysia-Airlines mit der Flugnummer MH17 am 17. Juli 2014 über der Ukraine, auf der Strecke von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Unklarheiten gab es auch nach dem Absturz des German-Wings-Fluges 9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf am 24. März 2015 über den französischen Alpen. Insofern kann man nicht überrascht sein, dass unmittelbar nach der Nachricht vom Verschwinden der Egypt-Air-Maschine mit der Flugnummer MS804 über dem Mittelmeer in dieser Woche verschiedene Theorien und Spekulationen über die Absturzursache zu kreisen begannen: War es ein technischer Fehler? War es ein Fehler der Piloten? Steckt dahinter gar ein terroristischer Anschlag – haben, wie die „Bild“-Zeitung früh und ganz unverblümt fragte, „Terroristen eine Bombe an Bord von Flug MS804 geschmuggelt“?

Mag vieles noch unklar sein, besonders die letzte Frage bringt doch etwas sehr klar zum Ausdruck – nämlich: Die Europäer haben Angst. Nach all den islamistischen Anschlägen in Paris (7. Januar und 13. November 2015) und Brüssel (22. März 2016) verbinden sie Katastrophen-Nachrichten immer schneller, wenn nicht schon automatisch mit Terroranschlägen. Es genügt offenbar bereits ein Hinweis, in diesem Fall der, dass die Maschine in Paris gestartet sei, um vor dem inneren Auge gewisse Schreckensszenarien und Erklärungsreflexe ablaufen zu lassen. Mit Blick auf die in diesem Jahr bevorstehenden Großereignisse in Europa, die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich und den Weltjugendtag in Krakau, kann dieser traumatisierte Zustand nachdenklich machen. Wobei man nicht den Menschen Vorwürfe machen darf, die sich fürchten, sondern denen, die für das Flächentrauma Mitverantwortung tragen. Sind die Ängste nicht deshalb so groß, weil Politiker sie zu lang verdrängt haben? Oder war das Wunschdenken, das manche artikulierten, auch nur Ausdruck von Angst und Hilflosigkeit?

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