Kommentar: Die Drachme hilft nicht weiter

Von Reinhard Nixdorf

Nur Bilder aus dem antiken Sagenschatz reichen noch aus, um die Lage Griechenlands zu beschreiben. Wie der listenreiche Odysseus kreuzt Hellas zwischen Skylla und Charybdis. Um sein Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, hat sich Griechenland gegenüber den Euro-Staaten zur Sparpolitik verpflichtet. Aber dieser Sparkurs führt geradewegs dazu, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um fünf Prozent schrumpft. Die Folge: Immer weniger Steuern werden eingenommen, das Haushaltsdefizit, das die Sparpolitik doch eigentlich begrenzen sollte, wird größer und größer. Nach der Logik der europäischen Krisenpolitik müsste darauf mit weiteren Sparbeschlüssen reagiert werden – aber die griechische Wirtschaft würde dann noch weiter schrumpfen.

Statt der griechischen Wirtschaft mit Investitionen aufzuhelfen und so ein Wirtschaftswachstum in Gang zu bringen, denkt man in der Eurozone lieber laut über die Teilinsolvenz oder einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nach. Eine Wiedereinführung der Drachme wird Griechenland aber kein bisschen zahlungsfähiger machen: Glaubt denn irgendjemand, Gläubiger, die Griechenland Euros geliehen haben, lassen sich mit Drachmen abspeisen? Griechische Sparer werden auf die Einführung der Drachme auf jeden Fall damit reagieren, dass sie ihre Konten leerräumen. Die Folge: Die griechischen Banken wären pleite und müssten irgendwie gerettet werden.

Spekulationen über weitere Staatspleiten in der Eurozone wird eine Insolvenz und ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone höchstens weiter anheizen. Jeder Geldgeber, der Spanien, Portugal oder Italien Geld geliehen hat, wird sich doch sagen: Wenn der Kampf gegen die Staatspleite in Griechenland verloren gegeben worden ist, wieso soll er in Spanien, Italien und Portugal günstiger verlaufen?

Die Kollateralschäden für die Eurozone wären enorm. Bis jetzt ist jedenfalls offensichtlich, dass sie Europa teurer zu stehen kommen als jeder bisherige Wiederbelebungsversuch an der kollabierten griechischen Wirtschaft.

Themen & Autoren

Kirche