Kommentar: Der Teufel ist ein Maßschneider

Von Regina Einig
Regina Einig, Autorin
Foto: DT | Regina Einig.

Der Geruch der Schafe steigt den Hirten nicht immer angenehm in die Nase. Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe hat darauf verzichtet, die europaweite Petition „Vater, Mutter, Kind“ zu unterstützen, nur fünf wollten ihren Namen unter den Unterstützern sehen. Zweifellos gibt es viele Wege, um in der kirchlichen Verkündigung die Stimme zu erheben für den Schutz der traditionellen Ehe als Verbindung von Mann und Frau und des klassischen Familienbildes als Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern. Dennoch fehlt es in katholischen Kreisen mitunter an dem Bewusstsein, selbst mitverantwortlich zu sein für die öffentliche Wahrnehmung von Ehe und Familie. Die Sorge, anzuecken und die Furcht vor dem Scheitern untergräbt die Eigeninitiative. Der Rest ist Politikmüdigkeit.

Nicht wenigen engagierten Christen steckt noch die demoralisierende Erfahrung mit der Europäischen Bürgerinitiative „Einer von uns“ gegen die Verwendung von EU-Geldern für Embryonenversuche und Klonen aus dem Jahr 2013 schmerzhaft in den Knochen. Obwohl die EU-weit erforderliche Stimmenzahl weit übertroffen wurde, wies die Europäische Kommission das Anliegen der Antragsteller zurück. Gerade der von schier endlosen Rückschlägen gekennzeichnete politische Kampf um den Lebensschutz hat viele gläubige Christen zermürbt. Diese Erfahrungen lähmen einen entschiedenen Einsatz für die traditionelle Ehe und Familie. Und da der Teufel ein Maßschneider ist, arbeiten auch innerkirchliche Kräfte einer Schweigespirale zu, die im Namen einer falsch verstandenen Toleranz das klare Bekenntnis zur traditionellen Ehe und Familie verübelt.

Doch taugen Christen, die sich selbst zur Harmlosigkeit verdammen, noch als Salz der Erde? Gerade in den Wochen vor Weihnachten fällt auf, wie weit Quantität und Qualität kirchlich geförderter Initiativen oft auseinanderdriften. Es ist ein Unterschied, ob Gläubige das Friedenslicht von Bethlehem weiterreichen oder den verdunkelten Gewissen das Licht des Evangeliums aufstecken.

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