Kommentar: Der Scheich beim Papst

Von Oliver Maksan
Foto: DT | Oliver Maksan.

Der Scheich beim Papst: Das ist eine gute Nachricht. Ahmed al-Tayeb, Großimam der einflussreichen al-Azhar-Universität in Kairo, wurde am Montag vom Heiligen Vater im Vatikan empfangen. Es ist zu hoffen, dass mit dieser erstmaligen Begegnung ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen der katholischen Weltkirche und dem sunnitischen Islam Ägyptens aufgeschlagen wird. Denn diese sind bekanntlich seit Jahren angespannt.

Dass 2011 der bilaterale Dialog abgebrochen wurde, lag nicht an der katholischen Seite. Als Grund für den Abbruch hat die Azhar-Universität stets die öffentliche Aufforderung Benedikts XVI. angeführt, in Ägypten die Religionsfreiheit besser zu schützen. Das sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes gewesen, hieß es aus Kairo. Dass diese nach dem verheerenden Attentat auf eine koptische Kirche vom Neujahrstag 2011 in Alexandria nötig war, liegt aber auf der Hand. Und die Entwicklung seither hat der damaligen Intervention Benedikts leider mehr als einmal Recht gegeben. Mögen auch Muslimbrüder und Salafisten für einen Großteil der Übergriffe gegen Christen verantwortlich sein – trauriger Höhepunkt war fraglos die Gewaltorgie im August 2013 –, so gibt es auch heute in Ägypten noch genügend Diskriminierung und Intoleranz gegen Christen in Gesetz wie Alltag.

Wenn Christen und Muslime in Ägypten selbst, aber auch auf höchster Ebene im Gespräch sind, ist dies ein gutes Zeichen. Zweifelsohne ist die Azhar-Universität unter der Führung des Großimams bemüht, dem fanatischen Radikalismus des „Islamischen Staats“ theologisch Einhalt zu gebieten. Dabei muss aber auch das Gewaltproblem zur Sprache kommen, das der Islam in seiner orthodoxen Auslegung hat, für die die Azhar-Universität exemplarisch steht. Die traditionelle Theologie und Rechtsprechung hegt die Gewalt im Namen Gottes, erklärt sie aber nicht für uneingeschränkt falsch. Darüber wird zu reden sein. Das ist keine Einmischung von außen. Schließlich hat Ägyptens starker Mann Sisi vor der Azhar-Universität im vergangenen Jahr höchstselbst eine Reform des Islam angemahnt.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann