Kommentar: Der Druck wird wachsen

Tierversuche, die Aufschluss darüber geben, wie verträglich Medikamente und Chemikalien für den Menschen sind, kosten nicht nur viel Geld und Zeit, sondern bieten, weil der Mensch eben doch kein Tier ist, wenig Sicherheit. Gleichwohl muss niemand fürchten, dass sämtliche Medikamente, Kosmetika und Chemikalien, die in Europa zugelassen werden sollen, künftig an preiswerteren humanen embryonalen Stammzellen getestet würden. Dazu ist die Stammzellforschung noch nicht weit genug. Allerdings kann sich dies schneller ändern, als Menschenfreunden lieb sein darf. Insofern sind Horrorszenarien – bei dem menschliche Embryonen getötet würden, um an ihren Zellen die toxischen Wirkungen von Medikamenten zu überprüfen – alles andere als bloß hypothetisch. An entsprechenden Strategien wird auch in Deutschland – gefördert von Bundesministerium für Bildung und Forschung – bereits seit Jahren gearbeitet. Grundsätzlich wird man – gerade als Christ – befürworten können, dass Tierversuche in Europa inzwischen kritisch gesehen und Wege beschritten werden, die diese reduzieren oder gar ersetzen helfen sollen.

Denn als Krone der Schöpfung trägt der Mensch auch Verantwortung für seine animalischen Mitgeschöpfe. Ihnen unnötig Leid zuzufügen, verträgt sich weder mit dem Respekt, den wir Tieren schulden, noch mit unserer Würde als Menschen. Dass die vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie „zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere“ darauf verzichtet, den Einsatz humaner embryonaler Stammzellen als Tierversuch-Ersatz europaweit zu ächten, zeigt, wie es um den Schutz des Lebens und der Würde von Menschen in Europa bestellt ist. Diesen der nationalen Gesetzgebung anheimzustellen, ist in Zeiten der Globalisierung wohlfeil. Denn sobald in einem Staat kostenintensive Tierversuche durch preiswertere Stammzellstests ersetzt werden, geraten alle anderen unter Druck, dies auch zu tun. Auch jene, die die Forschung mit embryonalen Stammzellen bislang nur „ausnahmsweise“ erlauben.

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