Kommentar: Demagogisches Meisterwerk

Von Stefan Rehder
Foto: DT | Stefan Rehder.

Dass sich „Amnesty International“ nicht nur weltweit für Flüchtlinge und politisch Verfolgte einsetzt, sondern in vielen Ländern inzwischen auch die Abschaffung des Verbots vorgeburtlicher Kindstötungen fordert, dürfte bekannt sein. Dass es völlig absurd anmutet, dass dieselbe Organisation einerseits für die Abschaffung der Todesstrafe für Schwerstverbrecher eintritt, andererseits aber die Legalisierung der Tötung Unschuldiger fordert, scheint Amnesty nicht zu stören. Für jeden, der noch über halbwegs intakte Gehirnwindungen verfügt, geht eine solche Doppelzüngigkeit jedoch mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit einher.

Insofern darf man sich durchaus auch Gedanken über den geistigen Gesundheitszustand von Prominenten machen, die derartige Kampagnen unterstützen. Jüngstes Beispiel: Hollywood-Star Liam Neeson. Vielen Deutschen dürfte vor allem die grandiose Darstellung des Industriellen Oskar Schindler in Erinnerung geblieben sein, die der Ire in Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ zum Besten gab. Für die Verfilmung von C.S. Lewis „Chroniken von Narnia“ lieh der heute 63-Jährige sogar niemand Geringerem als dem Löwen Aslan seine Stimme, einer Figur, die Lewis erkennbar an Jesus Christus anlehnte. Nun borgte Neeson, der in einer katholischen Familie in Nordirland aufwuchs, seine Stimme dem irischen Ableger von Amnesty International für ein schauerliches Kampagnen-Video. Darin fordert er die Streichung des achten Zusatzes der irischen Verfassung. In diesem erkennt der Staat das Recht auf Leben Ungeborener an und verpflichtet sich, dieses „unter Berücksichtigung des gleichwertigen Rechts auf Leben der Mutter“ soweit wie möglich zu verteidigen. Das Video darf als demagogisches Meisterwerk gelten. Zu düsteren Aufnahmen mittelalterlicher Ruinen fabuliert Neeson über einen „grausamen Geist aus Papier und Tinte“, der das Land fessele und in einer „Verfassung lebe, die für eine andere Zeit geschrieben worden sei“. Dabei müsste Neeson eigentlich wissen, dass der 8. Zusatz erst 1983 in die irische Verfassung aufgenommen wurde.

Themen & Autoren

Kirche