Kommentar: Cui bono?

Spätestens seit Johannes Paul II. haben sich die Päpste oft an die Jugend gewendet. Ausdruck der ganz neuen Art, sich an die jungen Menschen zu richten, waren die Mitte der achtziger Jahre geborenen Weltjugendtage. Daraus ist ein reiches Vermächtnis an Einladungen, Ermutigungen und väterlichen Worten geworden: Ansprachen, Briefe, Botschaften – und nicht zuletzt die vielen persönlichen Begegnungen der Päpste mit jungen Menschen. Der polnische Papst ist sogar so weit gegangen, sich 1985 in Marokko mit einer bahnbrechenden Rede an junge Muslime zu wenden. Wenn Benedikt XVI. zu Beginn seines Pontifikats ausrufen konnte, die Kirche sei jung und sie lebt, so war das auch Frucht der neuen Aufmerksamkeit der Päpste für die nachwachsenden Generationen, der Blick auf ihre Sorgen und Nöte, aber auch die Anerkennung ihrer Begeisterungsfähigkeit und Bereitschaft, großzügig zu sein – bis hin zu der Entscheidung, das eigene Leben ganz in den Dienst an Gott und den Menschen zu stellen.

Darum hat es manche erstaunt, als Papst Franziskus für den Herbst vergangenen Jahres eine eigene Jugendsynode angekündigt hat. Sollte sich nun der Grundton der Kirche in ihrer Sorge um die Jugend ändern? Die Methode war anders. Es ging darum, vor allem auf die Jugend zu hören. Bei dem Vorbereitungstreffen im Vatikan, durch die Auswertung von Umfragen, dann auch bei der Synode selbst. Wer am Rande des Bischofstreffens mit Teilnehmern zusammenkam, hatte oft den Eindruck, als fingen die Synodalen wieder von vorne an, die Jugend in den Blick zu nehmen. So nach dem Motto, wie es jemand ironisch formulierte: Bischöfe werden mit fünfzig Jahren geboren, wissen nicht, was die Jugend ist und wie sie tickt.

Nun hat Franziskus sein nachsynodales Schreiben veröffentlicht. Es reiht sich ein in die bereits seit Jahrzehnten gewachsene (päpstliche) Verkündigung der Kirche an die Jugend. Nur: Es ist ungewöhnlich lang und nicht gerade flüssig geschrieben. Welcher Jugendliche wird es lesen? Der Aufwand für die Jugendsynode war groß. Doch jetzt fragt man sich: Cui bono? Wem nützt es?

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Benedikt XVI Bischöfe Johannes Paul Johannes Paul II. Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Papst Franziskus Paul II. Päpste Synoden Weltjugendtag

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer