Kommentar: CSU: Feuer auf dem Dach

Von Markus Reder
Foto: dpa | Zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert: Horst Seehofer (CSU).
Foto: dpa | Zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert: Horst Seehofer (CSU).

Diese Krönungsmesse hatte sich Horst Seehofer anders vorgestellt. Gestern Abend nominierte die CSU ihren Parteichef zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Doch was als Jubel-Auftakt für eine Wahlschlacht gedacht war, die die CSU in Bayern zu alter Stärke und im Bund wieder an die Macht führen soll, geriet unter dem Eindruck der Affäre um Verwandtenbeschäftigung von CSU-Politikern zum außerplanmäßigen Defensivspiel.

Der jähe Absturz von CSU-Fraktionschef Schmid, der zunächst nur vom Fraktionsvorsitz ließ, ehe er seine politische Karriere ganz begraben musste, war ein deutliches Signal, wie ernst es Seehofer mit reinem Tisch machen ist. Zwar trifft es zu, dass die bislang bekannt gewordenen Fälle von Verwandtenbeschäftigung unterschiedlich liegen. Auch die Summen, um die es dabei geht, unterscheiden sich. Die Skala verläuft vom fehlenden Fingerspitzengefühl bis zur unverschämten Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler. Doch die Angelegenheit zeigt erstens den Unterschied zwischen rechtens und richtig, der in Wahlkampfzeiten besonders groß ist. Und zweitens kann die CSU jetzt nichts weniger brauchen, als mit hausgemachten Affären der matten Opposition in Bayern und den rot-grünen Wahlkämpfern im Bund Aufbauhilfe und Angriffsfläche zu bieten.

Zudem: Wer mit dem Thema „soziale Gerechtigkeit“ ins Feld ziehen will, sich aber nachsagen lassen muss, in den eigenen Reihen bekämen einige den Hals nicht voll und bedienten sich dabei an Steuergeldern, der kann im Wahlkampf erklären was er will, er dringt nicht mehr durch. Daher ist bei der CSU jetzt Feuer auf dem Dach. Es ist noch nicht lange her, da klopfte man sich in der Union auf die Schenkel. Pannen-Peer mit seinen Millionen-Gagen sei der beste Wahlhelfer von CDU und CSU, prostete man sich zu. Inzwischen lacht keiner mehr. Am Ende werden bei den Wahlen wenige Prozent den Ausschlag geben. Da können solche Affären entscheidend sein. Und wenn sich die Union selbst demontiert, braucht die Opposition auch gar keine spitzenmäßigen Spitzenkandidaten.

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