Kommentar: Bittere Pille

Seit Mitte März 2015 ist die von Pro familia & Co. regelmäßig als „Notfall-Verhütungsmittel“ verharmloste „Pille danach“ in deutschen Apotheken frei verkäuflich. Von Stefan Rehder

Wer sich an die Debatte erinnert, die der Entlassung aus der Rezeptpflicht vorausging, weiß auch noch, mit welchem „Argument“ sie überwiegend beworben wurde. Nämlich als „ultima ratio“ für geplatzte Kondome und andere „Verhütungspannen“. Glaubt man den Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, dann treten solche Pannen inzwischen mit zunehmender Häufigkeit auf. Allein im vergangenen Jahr reichten deutsche Apotheker mehr als 808 000 Packungen der „Pille danach“ über ihre Tresen – 51 000 mehr (plus 6,7 Prozent) als noch 2016.

Interessanterweise stiegt im selben Zeitraum auch die Zahl der dem Statistischen Bundesamt gemeldeten vorgeburtlichen Kinds- tötungen von 98 721 um 2 488 (plus 2,5 Prozent) auf 101 209. Selbstverständlich muss zwischen dem steigenden Absatz der „Pille danach“ und der Zunahme von Abtreibungen kein ursächlicher Zusammenhang existieren. Theoretisch kann es sich dabei auch um eine zufällig auftretende Gleichzeitigkeit ganz verschiedener Phänomene handeln. Wissenschaftler nennen das eine Korrelation. Da jedoch in sämtlichen europäischen Nachbarländern die Zahl vorgeburtlicher Kindstötungen ebenfalls jeweils anstieg, nachdem dort die „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht entlassen wurde – in Großbritannien „nur“ um 7,7 Prozent, in Frankreich gar um 100 Prozent – spricht nichts dafür und viel für eine Kausalität.

Offensichtlich führt die Rezeptfreigabe der „Pille danach“ nicht dazu, dass „besser“ verhütet wird, sondern zu mehr ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Der aber führt zu mehr ungewollten Schwangerschaften und sorgt für mehr Andrang in Beratungsstellen und Abtreibungseinrichtungen. Selbstverständlich muss auch zwischen der Tatsache, dass Pro familia beides betreibt und ihrer damaligen Kampagne für die Rezeptfreigabe der „Pille danach“ kein ursächlicher Zusammenhang bestehen. Denkbar wäre auch eine Korrelation. Also, theoretisch. Rein hypothetisch, jedenfalls.

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