Kommentar: "Bild"-Zeitung auf Luthers Spur

Die Kirche wird aber nicht durch Kampagnen und auf Gleichschaltung mit dem Mainstream zielenden Druck erneuert, sondern durch den Blick auf Christus. Von Oliver Maksan

Um die katholische Kirche muss es wirklich schlecht stehen, wenn jetzt sogar die Kirchenexperten von der „Bild“-Zeitung glauben, ihr Nachhilfeunterricht geben zu müssen. Zwölf Thesen hat das Boulevard-Blatt in seiner Dienstagsausgabe an die imaginäre Kirchentür des Papstes geheftet. 500 Jahre nach der Reformation will die Springer-Presse der katholischen Kirche angesichts der Missbrauchs-Krise so den Weg zum Neuanfang weisen. Heraus käme – mehr Demokratie wagen!, Frauen zulassen!, Glaubenskongregation abschaffen! –, eine Kirche etwa nach Art der EKD.

Ob das wirklich eine gute Idee ist, mögen die Boulevard-Lutheraner mit Blick auf die evangelische Kirche in Deutschland selber entscheiden. Wirklich verübeln kann man ihnen die unqualifizierte Kampagne gegen die verfasste katholische Kirche aber nicht. Sie greifen letztlich nur auf, was ihnen interne Kirchenreformer an Stichwörtern bieten. Der vor kurzem in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ veröffentlichte Brief Pater Wucherpfennigs und anderer an Kardinal Marx sagt im Grunde dasselbe, nur feiner und mit mehr Betroffenheitsattitüde. Ob Laien oder Bischöfe: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Manifesten, Briefen oder Interviews „Reformideen“ in die Welt posaunt werden. Alle mindestens seit dem Kirchenvolksbegehren Mitte der neunziger Jahre erhobenen Forderungen werden jetzt in den großen Topf gekippt, der auf der Flamme der Missbrauchskrise kocht.

Die Kirche wird aber nicht durch Kampagnen und auf Gleichschaltung mit dem Mainstream zielenden Druck erneuert, sondern durch den Blick auf Christus, den Stifter und Herrn der Kirche. Und weil es Seine und nicht unsere Kirche ist, können wir sie nicht nach Gusto verändern. Das mag die „Bild“-Zeitung – obwohl sie mal Papst war – nicht verstehen. Die kircheninternen Reformer aber sollten das bedenken, ehe sie das nächste Mal Briefe schreiben oder nach einem Mikrofon suchen.

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