Kommentar: Abtreibung und Politik

Von Stefan Rehder
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Man täusche sich nicht: Weder Polit-Rambo Donald Trump noch die praktizierende Katholikin Beata Szydlo priorisieren den Kampf gegen die Abtreibung auf ihren politischen Agenden. Im Wahlkampf mag das anders ausschauen. Da können konservative Politiker durchaus auch mit diesem Thema punkten und zahlreiche Wähler an sich binden. Besichtigt werden konnte das zuletzt in Spanien, wo Mariano Rajoy, Chef der Partido Popular 2011, nicht trotz, sondern auch wegen des Versprechens, die von Sozialisten eingeführte Fristenregelung abzuschaffen, die Wahlen gewann. Eingelöst hat er das Versprechen nicht. Und das, obwohl ihm ein fertig ausgearbeiteter Gesetzentwurf einer Indikationsregelung vorlag, der bei Verstößen erstmals anstelle der Frauen, die die Abtreibung in Auftrag geben, die Ärzte, die die vorgeburtliche Kindstötung ausführen, bestraft hätte. Dass Rajoy nicht wegen des Drucks der auch in Spanien überwiegend linken Presse, sondern wegen innerparteilicher Konflikte sein Wahlversprechen brach, hunderttausende Wähler vor den Kopf stieß und den Rücktritt von Justizminister Alberto Ruiz–Gallardón hinnahm, spricht Bände.

Lebensrechtler irren sich, wenn sie glauben, der Kampf gegen die vorgeburtliche Kindstötung, die das II. Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ ein „abscheuliches Verbrechen“ nennt, ließe sich heute mit Aussicht auf nachhaltigen Erfolg in den Parlamenten ausfechten. Dafür muss er zunächst wieder in die Familien, die Schulen, die Universitäten und die Einrichtungen der Erwachsenenbildung – und ja – sogar in die Kirchengemeinden hineingetragen und dort dann auch dort gewonnen werden. Den Kirchen kommt als Träger vieler dieser Einrichtungen dabei eine ganz besondere Verantwortung zu. Es reicht nicht, jährlich eine „Woche für das Leben“ zu veranstalten oder sich im Laufe von Gesetzgebungsverfahren zu Wort zu melden. Der Lebensschutz muss von jeder Kanzel vermittelt und im Religionsunterricht, an den theologischen Fakultäten und in kirchlichen Bildungshäusern gelehrt werden (siehe Seite 4).

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