Kirchen-Kritik an Syrien-Einsatz

Bonn (DT/KNA) Die beiden großen Kirchen werben weiterhin für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge und zeigen große Bedenken gegenüber einem Kampfeinsatz der Bundeswehr in Syrien. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx lehnte am Sonntag eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland ab. Er halte die Forderungen aus der CSU für ein „Scheingefecht“, denn niemand könne eine solche Obergrenze schlüssig definieren, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Deutschlandfunk. Man dürfe über Begrenzungen der großen Flüchtlingszahl nachdenken, „aber dieses Wort ,Obergrenze‘ führt völlig in die Irre“. Wer dafür plädiere, suche „nach irgendeinem Anker, um dann Sicherheit zu vermitteln“. Der Kardinal betonte, die katholische Kirche wolle dazu beitragen, dass die Integration der Flüchtlinge gelinge. Er erlebe in den Pfarreien einen anhaltenden großen Zuspruch und eine große Bereitschaft, „diese konkrete, schwierige Situation – die nicht einfach ist, das ist klar – doch sehr positiv, zuversichtlich anzupacken“. Auch viele Menschen, die gar keinen Kontakt mehr zur Kirche hätten, meldeten sich den Pfarrgemeinden oder der Caritas, um sich für Flüchtlinge zu engagieren. Marx zeigte „große Bedenken“ angesichts des militärischen Einsatzes der deutschen Bundeswehr in Syrien. Er könne nicht erkennen, dass es einen internationalen Friedensplan der Allianz für die Zeit nach dem Einsatz gebe, sagte er. Dies sei aber die Voraussetzung, dass der Einsatz moralisch gerechtfertigt sei. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wies Ängste vor einer Islamisierung Deutschlands als „kleingläubig“ zurück. „Trauen wir unserem Glauben so wenig zu, dass wir befürchten müssen, bei 50 Millionen Christen könnte durch ein, zwei oder drei Millionen Muslime in Deutschland die christliche Kultur verschwinden?“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bedford-Strohm wandte sich wie Marx gegen einen militärischen Einsatz der Bundeswehr in Syrien. Er lehne militärische Gewalt gegen den IS nicht grundsätzlich ab. Die zivilen Mittel wie die Austrocknung der Finanzströme seien aber noch nicht ausgeschöpft, und es gebe kein klares Konzept über die Ziele.

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