Kirche unterstützt Eltern von Lambert

Reims (DT/KNA) Die Eltern des Komapatienten Vincent Lambert wollen ihn in ein anderes Krankenhaus verlegen lassen. „Wir wünschen uns, dass er dieses Gefängnis verlässt“, erklärte Lamberts Mutter Viviane am Dienstag laut mehreren französischen Medienberichten. Lambert brauche der Mutter zufolge „nur Liebe und Wasser“.

Bevor die Versorgung am Montag ausgesetzt worden war, forderte auch der Erzbischof von Reims, Eric de Moulins-Beaufort, dass Lambert in ein Krankenhaus verlegt werde, das auf Wachkomapatienten spezialisiert ist. Am Montagabend hatte ein Gericht in Paris entschieden, dass die künstliche Ernährung wieder aufgenommen werden müsse, bis der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen entschieden habe. Viviane Lambert nannte das einen „sehr großen Sieg“. Dagegen sagte Lamberts Neffe Francois Lambert: „Das ist Sadismus pur.“ Er fühle Ärger und Ekel. Der 42-jährige Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 in einer Art Wachkoma. Ein französisches Ärzteteam hatte entschieden, die künstliche Ernährung des früheren Krankenpflegers am Montag zu beenden. Während seine Frau den Schritt befürwortet, wollten seine katholischen Eltern dies verhindern und haben dazu auch internationale Instanzen angerufen. Darunter war auch der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte vor dem Berufungsbeschluss Respekt vor der Privatsphäre und dem Leid der Familienangehörigen von Lambert gefordert. „Wie Sie alle bin ich tief berührt von der Situation von Vincent Lambert“, so Macron auf Facebook am Montag. Als Bürger habe er 2008 den Unfall Lamberts verfolgt. Als Präsident sei es nicht seine Aufgabe, die Entscheidung der Ärzte auszusetzen. Er sehe es aber als seine Aufgabe, die Emotionen der Menschen zu hören und darauf zu antworten. Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, hatte den Abbruch der lebenserhaltenden Maßnahmen am Montagabend scharf kritisiert. Die Gesellschaft stehe vor der Entscheidung, ob sie Menschen als „funktionierende Roboter“ sehe oder ob sie den Wert der menschlichen Beziehungen an der Liebe zueinander festmache. „Einmal mehr haben wir die entscheidende Wahl: die Zivilisation des Abfalls oder die Zivilisation der Liebe“, erklärte er.

Papst Franziskus äußerte sich am Montag mit einem Tweet indirekt zum Fall Lambert. „Wir beten für Menschen, die mit schweren Gebrechen leben. Bewahren wir das Leben, die Gabe Gottes, vom Anfang bis zum natürlichen Ende“, schrieb der Papst. Man dürfe „der Wegwerfkultur keinen Raum geben“.

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