„Keine spektakulären ökumenischen Ereignisse“

Bischof Franz-Josef Bode, Gastgeber des 97. Deutschen Katholikentages, zu seinen Erwartungen an das Treffen in Osnabrück

Wie wird sich der Katholikentag in Osnabrück von den 96 vor ihm unterscheiden?

Ich hoffe, dass er ein Katholikentag der kurzen Wege wird, weil wir alles in der Innenstadt machen können. Die Zahl der großen Podien konzentriert sich von früher 150 auf 50. Dafür gibt es viele kleinere Veranstaltungen. Auch wird es sicherlich ein sehr jugendlicher Katholikentag – nicht nur weil der gastgebende Bischof auch Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist. Ebenso wie das Familienzentrum bietet das Jugendzentrum sehr viele Angebote. Wir wollen ja mit dem Leitwort „Du führst uns hinaus ins Weite“ die Gestaltung der Zukunft ansprechen. Der Katholikentag soll das Miteinander der Generationen fördern und ermutigen, Ja zur Zukunft zu sagen,

Mehrere jüdische Repräsentanten kommen wegen der umstrittenen Karfreitagsfürbitte nicht ...

Ich finde es sehr bedauerlich, dass sie abgesagt haben. Es ist freilich schade, dass es überhaupt zwei Formulierungen der Karfreitagsfürbitte gibt. Denn die Fürbitte, die in den allermeisten Kirchen gesprochen wird, ist sehr verständlich und offen formuliert. Bedeutende Theologen betonen ja auch, dass die neue Fürbitte keinesfalls zu einer „Judenmission“ aufruft oder so etwas rechtfertigen würde. Ich meine, es wäre gut, man würde darüber beim Katholikentag sprechen und diskutieren. Diese Möglichkeit vergibt man natürlich, wenn man absagt. Ich denke aber trotzdem, dass in den Foren zum jüdisch-christlichen Dialog und in der gemeinsamen Feier deutlich wird, dass wir eine gemeinsame Hoffnung haben. Es gibt auch dezidiert andere jüdische Stimmen von denen, die gerade wegen der strittigen Frage kommen. Ich bin sehr froh, dass wir hier in Osnabrück ein positives Verhältnis zur jüdischen Gemeinde haben. Wir konnten ihr für die Zeit des Synagogenumbaus Räume zur Verfügung stellen. Das war für mich gerade in dieser Situation ein sehr wichtiges Zeichen. Denn nicht alle Menschen können sich mit der Karfreitagsfürbitte detailliert befassen, aber sie verstehen solche Zeichen.

Welche Rolle spielt die Ökumene beim Katholikentag?

Schon als Stadt des Westfälischen Friedens sind wir es gewohnt, ökumenisch zu planen und zu denken. Beim Katholikentag besteht eine große Bereitschaft evangelischerseits, Räume und Kirchen zur Verfügung zu stellen. In Erinnerung an den Westfälischen Frieden werden nach dem ökumenischen Gottesdienst alle auf dem Marktplatz genau wie vor 360 Jahren den Choral „Nun lob' mein Seele den Herren“ singen. Dieses gemeinsame Lob Gottes ist mehr ein Zeichen als manche Diskussion über Unterschiede. Der Katholikentag wird wohl keine spektakulären ökumenischen Ereignisse hervorbringen, aber die Alltagswirklichkeit des Miteinanders der Konfessionen stärken.

Welches Signal soll vom Katholikentag ausgehen?

Eine rein spirituelle oder rein politische Botschaft fände ich schwierig. In Osnabrück sollte deutlich werden: Je mehr wir als Christen in die Tiefe unseres Glaubens gehen, desto politischer werden wir sein. „Du führst uns hinaus ins Weite“ gilt also nicht nur dem, der sich spirituell Gott hingibt. Sondern wer sich an Gott orientiert, kommt zu weitherzigerem Handeln, das aber nicht in Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit führt, sondern aus einer Bindung kommt, aus einer Freiheit für etwas und nicht nur von einer Freiheit von irgendetwas geprägt ist.

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