Katalonien: Kirche will vermitteln

Erzbischof von Oviedo kritisiert Befürworter der Unabhängigkeit – Begegnung der Kardinäle von Madrid und Barcelona mit Rajoy
Konflikt um Katalonien
Foto: dpa | Kann die katholische Kirche zu einer Lösung des Konflikts um eine Abspaltung Kataloniens beitragen? Gegner der Unabhängigkeit demonstrieren mit spanischen Nationalflaggen vor Barracken der Polizei in Sant Boi De ...
Konflikt um Katalonien
Foto: dpa | Kann die katholische Kirche zu einer Lösung des Konflikts um eine Abspaltung Kataloniens beitragen? Gegner der Unabhängigkeit demonstrieren mit spanischen Nationalflaggen vor Barracken der Polizei in Sant Boi De ...

Madrid/Rom (DT/KNA) Mit deutlichen Worten hat der Erzbischof von Oviedo, Jesus Sanz Montes, die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien kritisiert. Der katalanischen Regionalregierung warf er in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung vor, Spanien und Europa mit einem Anti-System-Kurs „zu sprengen“. Die Sezessionisten seien korrupte „Gentleman-Ganoven“ und „Meister der Manipulation“, die Spanien des Diebstahls beschuldigten. Der katholische Geistliche forderte in seinem Schreiben einen Erhalt der Einheit Spaniens. Diesen seit vielen Jahren bestehenden Rahmen einseitig zu zerstören, sei nicht nur ein Angriff auf den Rechtsstaat und untergrabe das Zusammenleben. Ein solches Vorgehen sei darüber hinaus „zutiefst unmoralisch“.

Die katholische Kirche könnte in dem Konflikt eine Vermittlerrolle einnehmen. Der Vizepräsident der Autonomen Gemeinschaft Katalonien, Oriol Junqueras, traf laut spanischen Medienberichten am Mittwoch mit Barcelonas Kardinal Juan Jose Omella und nachfolgend mit dem Madrider Kardinal Carlos Osoro zusammen. Zuvor hatte am Dienstagabend Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy ebenfalls mit den beiden Kardinälen in seinem Dienstsitz in Madrid gesprochen.

Kardinal Osorio habe jedoch noch keine Vermittlungstätigkeit zugesagt, wie dies zuvor von der Partei „Unidos Podemos“ behauptet worden war, stellte die Erzdiözese Madrid am Donnerstagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur EFE klar. Podemos-Chef Pablo Iglesias habe zwar Kardinal Osorio am Mittwoch als möglichen Vermittler genannt, eine Verpflichtung dazu sei der Madrider Erzbischof jedoch bislang nicht eingegangen. Vielmehr habe Osorio bei dem Treffen auf die Botschaft der spanischen Bischöfe von der Vorwoche verwiesen.

Bei der von Rajoy initiierten Begegnung sei es nicht in erster Linie um die Anbahnung einer Vermittlung gegangen, schrieb die Zeitung „Vanguardia“ am Donnerstag. Rajoy habe sich über „Unterstützung des Unabhängigkeits-Aktivismus“ durch über 400 Priester beschwert, des Weiteren darüber, dass sich viele Pfarren bei dem umstrittenen Referendum vom 1. Oktober als Wahllokale zur Verfügung gestellt hatten, sowie auch über die Äußerung seitens der Bischofskonferenz.

Die Spanische Bischofskonferenz hatte in der Vorwoche – somit noch vor dem Referendum – auch im Namen der katalanischen Oberhirten vor „unumkehrbaren und folgenschweren“ Schritten gewarnt, die einen Bruch innerhalb der Gesellschaft zur Folge hätten. Dagegen riefen die Bischöfe zu einem „Dialog in vollem Respekt vor der Verfassung“ auf, verteidigten die Einheit Spaniens und erwähnten zugleich die „eigenen Rechte der verschiedenen Völker, die den Staat bilden“. Zugleich boten die Bischöfe ihre Hilfe für ein Gespräch „zugunsten einem friedlichen und freien Zusammenleben zwischen allen“ an.

Wie es in der „Vanguardia“ heißt, stehe den bisherigen Geschehnissen zum Trotz in katholischen Medien Spaniens eine mögliche Vermittlungstätigkeit durch die Kirche weiterhin im Raum. Auch die „direkte Telefonverbindung“ zwischen Barcelonas Kardinal Omella mit Papst Franziskus sowie dessen Aufmerksamkeit für das Thema – die spanische Bischofskonferenz-Äußerung sei vom vatikanischen Staatssekretariat abgesegnet worden – spreche dafür.

Zuvor hatte Papst Franziskus im Streit um eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien auf die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung gepocht. Das geht aus spanischen Medienberichten hervor, die sich auf ein vertrauliches Treffen des Kirchenoberhauptes mit Spaniens neuem Botschafter, Gerardo Bugallo, beim Heiligen Stuhl am Montag beziehen.

Demnach wurde aus Botschaftskreisen bekannt, dass sich Franziskus während des 20-minütigen Treffens gegen eine Selbstbestimmung Kataloniens ausgesprochen habe. Diese sei durch einen „Prozess der Entkolonialisierung“ nicht zu rechtfertigen. Die Kirche, so der Papst, lehne jeden Schritt ab, der nicht im Einklang mit dem geltenden Recht erfolge.

Das Verfassungsgericht Spaniens hält die katalanische Unabhängigkeitsabstimmung vom Sonntag für illegal. Die Bischofskonferenz des Landes hatte vor dem Referendum vor „unumkehrbaren und folgenschweren“ Schritten gewarnt, die einen Bruch innerhalb der Gesellschaft zur Folge hätten. Die Bischöfe riefen zu einem „Dialog in vollem Respekt vor der Verfassung“ auf.

Unterdessen untersagte das spanische Verfassungsgericht laut Medienberichten eine geplante Sitzung des katalanischen Regionalparlaments. Dieses wollte am Montag zusammentreffen, um Konsequenzen aus dem umstrittenen Referendum zu ziehen, bei dem sich eine große Mehrheit der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit ausgesprochen hatte.

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