Sanaa

Juden finden neue Heimat in den Emiraten

Seit Jahrhunderten entsteht die erste neue jüdische Gemeinschaft in der arabischen Welt.

Jemenitische Juden nach Israel gebracht
Im März 2016 reiste die letzte Gruppe von Juden aus dem Jemen in Israel ein. Sie waren in geheimer Mission außer Landes gebracht worden. Foto: Arielle Di-Porto (The Jewish Agency for Israel)

Im Jemen gab es einst die wohl älteste jüdische Gemeinde der Welt außerhalb des Heiligen Landes. Sie soll Legenden zufolge bereits seit den Zeiten König Salomons existieren. Jemens Juden gelten auch als die ältesten Einwohner des Landes – sie lebten schon dort, als es weder das Christentum noch den Islam gab. Im Jemen schufen die Juden sich einen jüdischen Staat, den es außerhalb des Heiligen Landes sonst nirgendwo gab.

Unter dem Islam lange Schutzstatus

Im zweiten Jahrhundert vor Christus eroberten die Juden vom Himjar, im Bergland von Jemen, das Königreich Saba und gründeten die heutige Hauptstadt Sanaa. Der erste himjaritische Herrscher Karibìl Watar dominierte über 200 Jahre den Großteil der arabischen Halbinsel. Diese Region kontrollierte den Handel mit Weihrauch ins Mittelmeergebiet und die Seeverbindungen von dort über das Rote Meer Richtung Indien. Ab 525 nach Christus besetzten christliche Aksumiten, bis zur Eroberung durch die Muslime hundert Jahre später, den Jemen. Als der Islam entstand, verließen die Christen den Jemen, die Juden hingegen blieben im Land und gründeten ihre eigenen Stadtviertel.

Als Anhänger einer Buchreligion hatten Juden unter dem Islam lange einen Schutzstatus. Seit dem Vordringen der wahhabitischen Sekte in der arabischen Halbinsel im 19. Jahrhundert und seit der Entstehung des Zionismus wurde die Lage der jemenitischen Juden aber zusehends schwieriger. Schon ein Jahr vor der Gründung des Staates Israel kam es zu einem Pogrom gegen die jüdische Gemeinde in Jemen. Daraufhin brachte Israel den Großteil der Juden Jemens in den jüdischen Staat. Eine kleine jüdische Gemeinde blieb aber. Im Norden des Landes fanden sie eine liberal eingestellte arabische Bevölkerungsgruppe. Die Situation änderte sich allerdings, als der jüdische Gemeindeleiter Moshe Yaish Nahari von einem Islamisten des Al-Kaida Netzwerkes erschossen wurde. So hatte es eine große Symbolkraft in Israel, dass nun zeitgleich zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) im August zwei jemenitisch-jüdische Familien befreit und ihren Familien aus Israel übergeben wurden.

Bei diesen beiden Familien dürfte es sich um die letzten noch im Jemen verbliebenen Juden gehandelt haben. Während also im zweiten Stammland der Juden das Judentum ausgestorben ist, beginnt neues jüdisches Leben dort, wo es zuvor nie eins gab.

Keine bedeutsame historische Verbindung zu den Juden

Die VAE wurden erst 1971 gegründet und hatten keine bedeutsame historische Verbindung zu den Juden. Seit der Entdeckung riesiger Ölvorkommen am Arabischen Golf zogen Fachkräfte und Arbeiter aus aller Herren Ländern an den Golf, die Bevölkerung der meisten Länder der VAE besteht heute bis zu 90 Prozent aus Ausländern. Unter diesen waren seit den 1980er Jahren auch bereits einige Juden, die ihren Glauben aber geheim ausübten. In Saudi Arabien ist es Juden bis heute nicht erlaubt einzureisen. Die Emirate waren aber nie so streng, da sie sich einen guten Ruf im Umgang mit anderen Religionen machen wollten.

Seit drei Jahren gab es bereits eine Synagoge in Dubai, die erste auf der Arabischen Halbinsel. Das unscheinbare Gebäude befindet sich in einem ruhigen Wohnviertel, nicht weit von einer großen Moschee entfernt. Einer der ersten Rabbiner der jüdischen Gemeinschaft in den VAE und Kaplan der Universität von New York, Yehuda Sarna, sagte bei seiner Einführung: „Was wir hier sehen, ist die erste Entstehung der ersten neuen jüdischen Gemeinschaft in der arabischen Welt seit Jahrhunderten.“ Mittlerweile hat sich die jüdische Gemeinde am Golf nun offiziell konstituiert. Die Gemeinde bleibt aber vorsichtig, viele Mitglieder wollen nicht namentlich genannt werden. Da es jetzt direkte Flug-und Telefonverbindungen zwischen Israel und den Golfstaaten gibt, hoffen die Juden, dass das jüdische Leben – unterstützt von Israel –  schnell zunimmt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.