Jeff Sessions

Das Feindbild. Von Jens Hartner
Jeff Sessions

von jENS hARTNER

Einig wie selten zeigt sich Amerikas katholische Kirche derzeit. Der Grund: Die Trump-Regierung trennt illegale Einwanderer nach deren Festnahme von ihren Kindern. Sie werden in Auffangzentren oder Familien untergebracht. Schon unter Präsident Obama übten Menschenrechtler Kritik daran, dass etwa illegal einreisende Mütter mit ihren Kindern in Gefängnissen untergebracht wurden. Die Trump-Regierung trennt diese nun rigoros und vor allem medienwirksam. Der alten wie der aktuellen US-Regierung geht es dabei nur um eines: Abschreckung.

Neben US-Präsident Trump steht sein Justizminister Jeff Sessions (Jahrgang 1946) im Kreuzfeuer der Kritik. Der etwas linkisch auftretende Südstaatler aus Alabama hatte angesichts des medialen Sturms und vor allem kirchlicher Kritik an der Maßnahme auf die Bibel verwiesen. Den Apostel Paulus zitierend meinte der praktizierende Methodist jetzt, Gott habe die Obrigkeit eingesetzt. Ihren Gesetzen sei zu gehorchen. Kinder von ihren Eltern zu trennen stehe nicht im Widerspruch zur Bibel, wenn die Eltern sich nicht an die Gesetze hielten.

DAS

FEINDBILD

Einer der ranghöchsten Katholiken Amerikas, Kardinal Dolan von New York, widersprach prompt. Auf das geltende Gesetz allein zu verweisen reiche nicht. Man müsse sich fragen, ob es im Einklang mit dem Gesetz Gottes stehe. Der Apostel Paulus habe schließlich auch nicht blind römischen Gesetzen gehorcht, die etwa die religiöse Verehrung des Kaisers eingefordert hätten. Es sei unmoralisch, unchristlich und unamerikanisch, Kinder und Eltern zu trennen. In einer Stellungnahme verwiesen die US-Bischöfe darauf, dass Grenzen zwar geschützt werden müssen, Familien dabei aber nicht getrennt werden dürften. Medienberichten zufolge sollen in den vergangenen Wochen etwa 2 000 Kinder illegaler Migranten betroffen gewesen sein.

Sessions kommt damit auch seitens christlicher Kirchenführer unter Beschuss. Gewohnt war der langjährige Senator Kritik von links. Schon seine Ernennung war umstritten. Gegen den altgedienten Juristen wurden Rassismusvorwürfe laut, die er freilich vehement zurückwies. Amerikas Linke sieht in dem gläubigen Christen einen ihrer Hauptfeinde. Zum Einen ist Sessions entschiedener Abtreibungsgegner und Befürworter der traditionellen Ehe. Zum Anderen wirkt sein Ministerium daran mit, dass vermehrt christlich-konservativ denkende Bundesrichter nominiert werden. Auf deren Tisch landen regelmäßig ausführende einzelstaatliche Bestimmungen der Abtreibungsgesetze. Restriktionen wurden bisher oft kassiert. Schon sorgt sich Amerikas Abtreibungslobby, dass sich die juristischen Gewichte auf Jahre zu ihren Ungunsten verschieben.

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