Immer mehr Europäer kämpfen für den IS

Terror-Debatte erreicht Deutschland: Wie hindert man kampfbereite Extremisten, sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen?

Damaskus/Berlin (DT/dpa) Die US-geführte Koalition hat in Syrien erneut Ölanlagen unter Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert. Auch ein irakischer Ort an der Grenze zu Syrien, Al-Kaim, wurde angegriffen. Dabei seien 30 IS-Kämpfer ums Leben gekommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Freitag. Die Einnahmen aus dem Öl-Schmuggel sind die Hauptfinanzierungsquelle der Dschihadisten. Laut Pentagon fließen so täglich umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro in die Kassen des IS.

Die Zahl der EU-Bürger, die in Syrien und im Irak aufseiten der militanten Islamisten kämpfen oder gekämpft haben, ist mittlerweile auf 3 000 gestiegen. Anfang des Jahres sei man noch von 2 000 europäischen Dschihadisten ausgegangen, sagte Gilles de Kerchove, Anti-Terror-Koordinator der EU, dem britischen Sender BBC. Die syrische Beobachtungsstelle berichtete, dass sich seit Beginn der Luftangriffe auf Syrien Anfang dieser Woche in der Region nordöstlich der Stadt Aleppo mindestens 73 Kämpfer dem IS angeschlossen hätten. Die Mehrheit von ihnen habe zuvor für andere radikal-islamische Gruppen gekämpft. Vier der neuen Kämpfer kommen aus Europa.

Die Grünen haben die Bundesregierung aufgefordert, rasch die Kennzeichnung von Personalausweisen mutmaßlicher Terrorkämpfer zu beschließen. Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass Dschihadisten aus Deutschland ausreisen, um sich Terrorgruppen wie dem IS anzuschließen. Anhaltspunkt für eine solche Kennzeichnung könnte ein vom Geheimdienst aufgezeichnetes Protokoll eines Chats zwischen einem Extremisten in Deutschland und einer Terrorgruppe im Ausland sein. Schon jetzt kassieren die Behörden den Reisepass ein, wenn ein Islamist als gewaltbereit eingestuft wird. In die Türkei kann ein Deutscher jedoch auch mit dem Personalausweis einreisen, um dann von dort weiterzufahren in die Kampfgebiete in Syrien und dem Irak. In der Regierung gibt es noch Bedenken. Einige Politiker befürchten, dass die Kennzeichnung des Ausweises zu einer Stigmatisierung des Betroffenen führen könnte. Dies würde seine Reintegration in die Gesellschaft erschweren.

Infolge des Erstarkens islamischer Extremisten befürchten viele Bundesbürger in nächster Zeit terroristische Angriffe auch in Deutschland. Laut ZDF-„Politbarometer“ rechnen 60 Prozent der Befragten mit Anschlägen, 37 Prozent haben diese Befürchtung nicht. Gleichzeitig meint eine Mehrheit von 55 Prozent, dass genug getan wird, um das Land vor Terrorangriffen zu schützen. Nur 28 Prozent sind damit unzufrieden. 51 Prozent sind der Meinung, dass Deutschland deutlich mehr Flüchtlinge aus Syrien und Irak aufnehmen sollte. 62 Prozent halten die Luftangriffe gegen die IS-Terrormiliz in Syrien für gerechtfertigt.

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