Berlin

Imame für die Bundeswehr

Eigentlich wollen sie alle: Militärimame für die Bundeswehr. Die Umsetzung aber fällt schwer.
Multireligiöse Bundeswehr
Foto: Daniel Bockwoldt (dpa) | Die Zusammensetzung der Bundeswehr ist multireligiös. Unter den Soldaten sind auch Muslime.

Neben den katholischen und evangelischen Militärseelsorgern werden künftig auch jüdische Militärseelsorger Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr betreuen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Militärrabbiner und -Rabbinerinnen eingestellt werden. Nach Schätzungen des Bundesverteidigungsministeriums dienen in der Bundeswehr etwa 300 Soldaten jüdischen Glaubens und rund 3.000 muslimische Soldaten. Unter den rund 180.000 Soldaten gehören etwa 90.000 den beiden großen Kirchen an. Die Religionszugehörigkeit wird nur auf freiwilliger Basis erfasst. Eine muslimische Militärseelsorge steht seit vielen Jahren in der Diskussion. Der seinerzeitige Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Hans-Peter Bartels, hatte in seinem 59. Jahresbericht 2018 eine ehrenamtliche Lösung bei der Seelsorge für Muslime in der Bundeswehr vorgeschlagen.

Unterstützt wurde er dabei vom Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der in einem Zeitungsinterview von „Schande“ sprach, „dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten“.  Auf wen die „Schande“ letztlich zurückzuführen ist, ließ Mazyek offen.

Zentrale Institution fehlt Ansprechpartner

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Das Bundesverteidigungsministerium hatte schon im Oktober 2012 zu einer ersten Gesprächs- und Beratungsrunde eingeladen. Bereits damals war deutlich geworden, dass es nicht mehr um das „Ob“, sondern bereits um das „Wie“ gegangen war.

Und um das „Wie“ geht es. Das Recht auf freie und ungestörte Religionsausübung gilt zwar für die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften. Unklar ist jedoch, inwieweit die muslimischen Soldatinnen und Soldaten überhaupt das Bedürfnis nach eigener Seelsorge empfinden und wer der Ansprechpartner auf Seiten der Muslime sein könnte. Mangels einer zentralen Institution, die in Deutschland mit der notwendigen Repräsentanz für die muslimischen Glaubensrichtungen sprechen könnte, kann aus rechtlichen Gründen gegenwärtig kein Staatsvertrag geschlossen werden. Anders als die Kirchen und der Zentralrat der Juden erfüllen die Islam-Verbände bislang nicht die Voraussetzungen für Körperschaften öffentlichen Rechts.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland beklagt unterdessen Untätigkeit. Die geistliche Betreuung von muslimischen Soldatinnen und Soldaten müsse gesichert werden. Er dringt auf Militär-Imame. „Konkret verständigten sich die muslimischen Religionsgemeinschaften im KRM als ersten wesentlichen Schritt im Rahmen der deutschen Islamkonferenz der letzten Legislatur auf die Benennung einer Person für die Beiratsposition ,Innere Führung'. Danach gab es keine Rückantwort mehr aus der Politik, bis heute nicht. Wir stellen hier ein Umsetzungsproblem fest“, erklärte ein Sprecher des Zentralrats gegenüber der „Tagespost“. Das Akronym KRM steht für Koordinationsrat der Muslime, ein Zusammenschluss von sechs großen islamischen Verbänden in Deutschland. Der Zentralrat repräsentiert lediglich etwa 250.000 Mitglieder – von bundesweit rund 4,5 Millionen Muslimen. In der Öffentlichkeit wird vor allem der Zentralrat der Muslime mit Sitz in Köln wahrgenommen. Er hat 24 muslimische Organisationen als Mitglieder.  Unter den Dachverbänden gehört er aber zu den kleinen – mit 300 Moscheegemeinden und 15.000 bis 20.000 Mitgliedern. Damit vertritt er nur ein bis zwei Prozent der Muslime.

Bedingungen legte bereits Islam-Konferenz fest

Weil also ein formeller Dachverband fehlt, ist es mit den geforderten rechtlichen Voraussetzungen schwierig. Bedingungen für islamische Militärseelsorger wurden allerdings im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz bereits einvernehmlich formuliert: Ein muslimischer Militärseelsorger in der Bundeswehr muss die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen, einen in Deutschland anerkannten Hochschulabschluss in islamischer Theologie besitzen, über eine seelsorgliche oder gemeindliche Erfahrung in Deutschland verfügen und von islamischen Religionsgemeinschaften, die die Zielgruppe der Soldatinnen und Soldaten repräsentieren, in die Bundeswehr entsandt und seitens der Bundeswehr akzeptiert werden.

Voraussetzungen nannte auch der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, Franz-Josef Overbeck. Wenn es in Zukunft muslimische Militärseelsorger geben sollte, müssten diese genauso wie katholische und evangelische Militärgeistliche Lebenskundlichen Unterricht und Lebenskundliche Seminare anbieten, sagte Overbeck im September 2016 bei der „Woche der Begegnung“, einer zentralen Veranstaltung der katholischen Militärseelsorge für das Laienapostolat.

Jedoch werde es „vonseiten des Staates her noch mancher Anstrengung bedürfen, Formen der Institutionalisierung einer Militärseelsorge im konkreten Gespräch mit dem Islam in Deutschland zu entwickeln, die zum einen nicht dem Selbstverständnis dieser Religionsgemeinschaft widerspricht, zum anderen aber auch die Vergleichbarkeit mit der katholischen und evangelischen Militärseelsorge sicherstellt“, so der Militärbischof.

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