Im Visier des Präsidenten

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte beschimpft kritischen Bischof. Von Klemens Ludwig
Neuer nationaler Polizeichef auf den Philippinen
Foto: dpa | Rodrigo Duterte lässt sich nicht nur gerne mit Waffen ablichten. Auch seine Sprache nutzt er als Waffe.

Es war eines der großen und großmundigen Wahlversprechen, das maßgeblich zum Erdrutschsieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte im Mai 2016 beigetragen hat: der Kampf gegen die Drogen. Die Art, wie er diesen Kampf führt, ließ die einflussreiche katholische Kirche des Landes jedoch rasch in Opposition zu dem Präsidenten gehen, der sich ebenso volksverbunden wie autoritär gibt und für den martialische, man kann auch sagen geschmacklose, Sprüche längst zum Markenzeichen geworden sind. Seit dem Amtsantritt Dutertes wurden bis zu 30 000 angebliche Drogenkriminelle ohne Prozess ermordet – zum Teil auf offener Straße, zum Teil von anonymen Todesschwadronen. So hielt die Kirche frühzeitig dagegen und erklärte, Duterte führe keinen „Krieg gegen Drogen“, sondern „gegen die Armen“. Dies sei zu einer Herrschaft des Terrors ausgeartet. Der Präsident beschuldigt dagegen seine Kritiker des „Terrorismus“ und des Drogenhandels. Die Bischöfe bezeichnete er mehrmals als „Hurensöhne“. Es bleibt nicht bei verbalen Attacken. Zwischen Dezember 2017 und Juni 2018 fielen drei Priester Attentaten zum Opfer, im Juli scheiterte ein Anschlag auf den Erzbischof von Cebu, José Serofia Palma, einen der schärfsten Kritiker des Präsidenten.

Gleichzeitig gab es einen leichten Hoffnungsschimmer auf Entspannung, denn Duterte rief mit einigen ihm treuen Klerikern einen „Dialog mit der katholischen Kirche und anderen religiösen Sektoren“ ins Leben. Zwar seien Staat und Kirche getrennt, „aber der Präsident dachte, es sei klug, die Türen für einen Dialog zu öffnen“, versuchte einer seiner Berater zu vermitteln. Ein echter Dialog blieb jedoch aus, da die Bischofskonferenz in der Offerte ein taktisches Spiel ohne Substanz sah. Sie sollte recht behalten, denn in den letzten Wochen hat Präsident Duterte seine Polemik erheblich verschärft.

Er unterstellte Bischof Pablo Virgilio David, immerhin der Vizepräsident des Episkopats, selbst Drogen zu nehmen: „Ich wundere mich, warum Sie nachts immer ausgehen. Ich vermute mal, Sie Hurensohn stehen auf illegale Drogen.“ Er fügte hinzu, der Bischof werde enthauptet, wenn sich sein Vorwurf beweisen lasse. Bischof David blieb gelassen und antwortete ironisch: „Drogenkonsument? Nein, Sir, ich nehme keine Drogen. Ich helfe lediglich Drogenabhängigen beim Entzug. Ich nehme nicht einmal Medikamente, sondern trinke lediglich zum Frühstück einen vitaminreichen Fruchtshake.“

Der 59-jährige Bischof, der einer Diözese im Norden der Hauptstadt vorsteht, gehört neben José Serofia Palma zu den schärfsten Kritikern des Präsidenten – und so zu dessen erklärten Feinden. Duterte warf dem Bischof auch schon vor, Kirchengelder unterschlagen und für „seinen Palast“ missbraucht zu haben.

Die Bischofskonferenz steht einträchtig zu dem Attackierten. Man sei „traurig“ und „verstört“ über diese Anschuldigung, die die Integrität von Bischof Pablo Virgilio David in Frage stelle, erklärte der Vorsitzende Erzbischof Romulo Valles in einer Solidaritätsadresse. Neben den Angriffen auf einzelne Kleriker versucht Rodrigo Duterte, den Einfluss der Kirche insgesamt zurückzudrängen und sich als wahren Hirten aufzubauen. Der Katholizismus ist tief verwurzelt auf den Philippinen, wo sich etwa 80 Prozent der gut 100 Millionen Einwohner dazu bekennen. Zu Allerheiligen wandte er sich in der für ihn typischen Vulgärsprache mit einem Appell an die Bevölkerung: „Wer sind diese blöden Heiligen? Das sind einfach Trunkenbolde. Ich mache für euch den Schutzheiligen. Beschafft euch ein Bild von mir und stellt es auf den Altar – fertig ist Santo Rodrigo.“ Ungeachtet derartiger Ausfälle ist der „Krieg gegen die Drogen“ durchaus populär. Viele Filipinos glauben, das Land werde sicherer. In weiten Teilen gelten Drogenkonsumenten als Kriminelle, denen auch Vergewaltigungen und andere Verbrechen angelastet werden. Einen konkreten Rückgang des Drogenkonsums kann der „Krieg“ des Präsidenten jedoch nicht aufweisen. Echte Prävention und Behandlung, wie sie von kirchlichen Gruppen angeboten werden, sind gefährlich geworden. Notwendige Betreuung, auch im Bezug auf HIV, wurde in den Untergrund abgedrängt. So breiten sich Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis C immer weiter aus. Den Vereinten Nationen zufolge sind die Philippinen das Land mit der höchsten HIV-Neuinfektionsrate in Südostasien. Dem Land droht eine HIV-Epidemie.

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