Malta

Im katholischen Malta ist Abtreibung verboten – wie lange noch?

Malta ist eines der letzten Länder der Erde, in denen Abtreibungen verboten sind. Pro-Abtreibungs-Aktivisten wollen das ändern. First Things beschreibt die Lage im südeuropäischen Inselstaat.
Valletta auf Malta
Foto: Lino_Arrigo_Azzopardi (EPA/_EUROPEAN_COMMISSION) | Versuche die Abtreibung zu legalisieren, werden bislang in Malta mehrheitlich abgelehnt. Im Bild: Luftaufnahme der Hauptstadt Valletta der Insel Malta.

In der amerikanischen Zeitschrift First Things schildert Jonathon Van Maren, wie sich die Regierung gegen Initiativen wehrt, das strenge Abtreibungsverbot Maltas aufzuheben. Im Mai habe Marlene Farrugia, ein unabhängiges Mitglied des maltesischen Parlaments mit einer Gesetzesvorlage, Abtreibungen in Malta zu entkriminalisieren, „weltweit Schlagzeilen“ gemacht. Dennoch hätten maltesische Politiker Farrugias Vorschlag bisher abgelehnt.

Kleine, katholische Nation

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Das im Mittelmeer zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste gelegene Malta ist eines der katholischsten Länder der Welt: Die römisch-katholische Religion ist offizielle Staatsreligion, „auch wenn die Anzahl der Malteser, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, kontinuierlich rückläufig ist. Mit einer Bevölkerung von etwas mehr als 500.000 Einwohnern ist Malta die kleinste Nation der Europäischen Union – sowie die einzige Nation in der EU, in der Abtreibung vollständig verboten ist (das Verbot im Strafgesetzbuch stammt aus dem Jahr 1724)“. Etwa 300 Malteserinnen fahren jedes Jahr ins Ausland, um dort abzutreiben.

Robert Abela von den Sozialdemokraten, der maltesische Premierminister, sei „pro-life“ eingestellt, was in der Öffentlichkeit auch bekannt sei. Auch die konservativ-christdemokratische „Partit Nazzjonalista“ habe der Gesetzesvorlage widersprochen. Es scheine, so bemerkt Van Maren, „dass Farrugias Vorlage darauf abzielte, eine Diskussion zu entfachen, die Politiker zwingen sollte, Stellung zu nehmen und Vorarbeit für künftige Erfolge zu legen“.

Präsident gegen Abtreibung

Auch der Präsident des Landes, der Sozialdemokrat George Vella, habe Position bezogen: „Niemals werde ich ein Gesetz unterschreiben, mit dem Mord erlaubt wird“, sagte er noch im Mai 2021. Der früher als Arzt tätige Vella habe eine glänzende Karriere hinter sich: Er war stellvertretender Premierminister und zweimal Außenminister (von 1996 bis 1998 und noch einmal von 2013 bis 2017). Als die regierende sozialdemokratische Partei Maltas, die Partit Laburista, ihn 2019 für das Präsidentenamt nominierte, sei er auch von der christdemokratischen Oppositionspartei unterstützt worden.

Wir reden über Leben

Der heute 79-jährige Vella erzählte Van Maren in einem Interview, dass die Pro-Life-Gesetzgebung – zu der Zeit, als er mit der Medizin anfing – weitverbreitet gewesen sei: nur sehr wenige europäische Länder hätten die Abtreibung damals schon legalisiert. Seine Jahre der medizinischen Ausbildung hätten ihn in seinen Überzeugungen bestärkt; er habe mehr erfahren „über die erstaunlichen Veränderungen, die im Körper und in der Gebärmutter in allen Schwangerschaftsstadien vor sich gehen“. Vella, so Van Maren weiter, nehme seinen Hippokratischen Eid ernst, bei dem er geschworen habe, „das Leben unter allen Umständen zu schützen“. Als ihn ein Journalist kürzlich fragte, ob es irgendwelche Umstände gäbe, unter denen Abtreibung erlaubt sein könnte, antworte Vella: „Entweder man wird getötet oder man wird nicht getötet. Es kann keinen halben Tod geben“. Denn, so Vella weiter, „wir reden über ein Leben, wir reden nicht über den Körper einer schwangeren Frau… Wir reden über einen anderen Menschen mit seinem einzigartigen Chromosomensatz und seiner komplett anderen Identität… Wir reden euphemistisch über das Töten eines Babys“.

Kein Gesetz gegen das Leben

Vellas Standpunkt sei bekannt gewesen, als er Präsident wurde. Wenn eine abtreibungsbefürwortende Gesetzgebung verabschiedet würde, könnte der Präsident kein Veto einlegen. In diesem Fall würde Vella sein Amt aus Protest niederlegen: „Ich habe ganz eindeutig und öffentlich zu verstehen gegeben, dass ich – wenn während meiner Präsidentschaft das Parlament ein abtreibungsbefürwortendes Gesetz verabschiedete – starke moralische Einwände hätte, es zu billigen und zu unterzeichnen. Das bedeutet, dass ich einfach zurücktreten und das Präsidentenamt aufgeben müsste“. Er hoffe jedoch, dass Malta pro-life eingestellt bleibe.

Bisher jedenfalls habe keine bedeutende politische Partei Maltas eine abtreibungsbefürwortende Haltung eingenommen, und für eine Entkriminalisierung von Abtreibungen gebe es insgesamt nur wenig Unterstützung. Präsident und Premierminister sind gegen die Abtreibung, und „zumindest Vella ist bereit, wegen dieser Frage seine Karriere zu opfern. Die Ungeborenen sind sicher in Malta – vorerst“, resümiert Van Maren. DT/ks

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