Im Blickpunkt: UN-Kritik sorgt für Empörung

Von Markus Reder
Foto: DT | Markus Reder.
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Die Kritik des UN-Kinderrechtskomitees am Vatikan hat für Empörung in der Kirche gesorgt. Das ist mehr als verständlich. Nicht nur die Einseitigkeit, mit der der UN-Bericht die Aufarbeitungsbemühungen der katholischen Kirche behandelt, verärgert, sondern auch die offensichtliche Ignoranz gegenüber bereits getroffenen Maßnahmen. Da wird ein Zerrbild gezeichnet, das die Kirche einmal mehr als Sündenbock dastehen lässt. Als solcher wird sie mit dem Thema Missbrauch nun wieder durch die Medien getrieben. Es stimmt, in der Kirche sind entsetzliche Dinge geschehen. Täter wurden geschützt, man hat verharmlost, weggesehen, geschwiegen und vertuscht. Damit hat man sich ein zweites Mal an den Opfern versündigt. Richtig ist aber auch: Nach dem Entsetzen über den Blick in diesen Abgrund hat keine Institution so entschlossen und konsequent reagiert wie die katholische Kirche. Die unter Benedikt XVI. eingeführte Null-Toleranz-Linie wird unter Papst Franziskus mit aller Schärfe fortgesetzt. Die Kirche in Deutschland hat Maßstäbe gesetzt in der Aufarbeitung dieses entsetzlichen Skandals. Keine andere Institution hat vergleichbare Maßnahmen ergriffen. Weder Schulen, noch Sportvereine, von den Odenwald-Reformpädagogen ganz zu schweigen.

All das macht den Missbrauchskandal in der Kirche nicht kleiner. Aber es ist ein Gebot der Ehrlichkeit, auch dies zu sehen und nicht so zu tun, als habe sich in der Kirche kaum etwas getan. Wer dazu nicht willens ist, lässt erkennen, dass es ihm gar nicht so sehr um Aufklärung geht, sondern um antikatholische Ressentiments. Das eigentlich Schlimme dabei: Die Fixierung auf die Kirche führt dazu, dass es beim Thema Missbrauch eben nicht zu jener breiten gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung kommt, die es braucht, um dem Leid so vieler Kinder und Jugendlichen wirksam zu begegnen.

Doch es geht in diesem UN-Bericht noch um andere Aspekte. Da ist davon die Rede, die Kirche müsse ihre Haltung zu Abtreibung und Homosexualität korrigieren. Mit solchen Forderungen ist die Schwelle vom Inakzeptablen zum Gefährlichen überschritten. Hier deutet sich eine Tendenz an, die weitreichende Folgen haben kann und am Ende die Religionsfreiheit bedroht: Die Vereinten Nationen als globale Gesinnungspolizei, die darüber bestimmt, was gesagt und geglaubt werden darf und was nicht.

Solche UN-Berichte sind erste Schritte, mit denen die Kirche an den Rand des demokratisch akzeptablen Spektrums gedrängt wird. Weitere werden folgen.

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