Im Blickpunkt: Richtige Ziele, falscher Mann

Von Oliver Maksan

Stoppt Donald Trump: Der Aufruf, den prominente amerikanische Katholiken jetzt veröffentlicht haben (siehe DT vom 10.3.), ist ein Hilfeschrei. Man kann den Verfassern des Textes nicht vorwerfen, sie wären Opfer linksliberaler Vorurteile. Mit Robert George und George Weigel sind es der überlieferten katholischen Lehre und dem gesunden politischen Menschenverstand verpflichtete Stimmen, die vor dem Aufstieg Trumps warnen. Ihre kirchliche und politische Glaubwürdigkeit ist makellos, ihre Verdienste sind unbestreitbar. Sie setzen sich seit Jahren ein für das Lebensrecht ungeborener Menschen, die Ehe als Verbindung eines Mannes und einer Frau, die Religionsfreiheit in der Welt und eine auf den Prinzipien der katholischen Soziallehre errichtete Ordnung. Ihrem Aufruf haben sich zahlreiche Vertreter des intellektuellen katholischen Konservatismus angeschlossen. Sie sehen Trump als Gefahr für Amerika, nicht weil sie Linke wären, sondern weil sie fürchten, dass mit Trump ihre konservativen Anliegen nicht mehr in guten Händen wären.

Tatsächlich genießt Trump bei vielen konservativen Christen hohes Ansehen. Gerade im evangelikalen Bereich hat der mehrfach geschiedene Immobilienmilliardär aus New York hohe Zustimmungsraten – und das, obwohl der langjährige Abtreibungsbefürworter als religiöser Analphabet gelten darf. Seine vulgäre, beleidigende Rhetorik kommt hinzu. Trumps Anziehungskraft erklärt sich dadurch, dass Amerikas konservative Christen ihr Land in Gefahr sehen. Die Kulturkriege der Vergangenheit wie um das angebliche Recht auf Abtreibung und ähnliches gehören längst zum Inventar. Daran hat man sich sozusagen gewöhnt. Dieses Mal aber wähnt man die sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen in Gefahr. Das weiße, christliche Amerika, das noch in den sechziger Jahren dominierte, wird es so nicht mehr lange geben – dafür sorgt die Massenimmigration. Die Löhne der Arbeiter stagnieren. Der Aufstieg Chinas, wohin viele amerikanische Industrie-Arbeitsplätze verlegt wurden, ist unübersehbar.

Bei vielen Christen in diesem Wahlkampf ist deshalb nicht in erster Linie die Haltung des Kandidaten etwa zur Abtreibung ausschlaggebend für ihr Wahlverhalten – zumindest dann, wenn sich der Kandidat nicht offen dafür ausspricht. Vielmehr gewinnt ihre Stimmen derjenige, der Amerika wieder groß machen will – so Trumps Slogan. Nach Meinung von Amerikas klügsten katholischen Denkern aber wollen sie die richtigen Ziele mit dem falschen Mann erreichen.

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