Im Blickpunkt: Offensive für die Familie

Von Regina Einig

Zum sechsten Mal in Folge feiern am Sonntag europäische Gläubige auf dem Madrider Kolumbusplatz die „Messe der christlichen Familien“. Das Treffen ist keine nationale Angelegenheit mehr. Aus Frankreich, Portugal, Polen und Italien werden Bischöfe, Priester und Laien anreisen. Anregungen für die öffentliche Selbstdarstellung der Kirche sind derzeit in vielen Ländern Europas gefragt. Die Kunst des politischen Streitens will gelernt sein. Wie setzen sich überzeugte Katholiken heute überhaupt vernünftig mit dem gesellschaftspolitischen Gegner auseinander, ohne ins Leere zu laufen? Lohnt es sich, für die Rechte der Familie auf die Straße gehen? Die Debatte über die Einführung der Homo-„Ehe“ fördert in Kirchenkreisen oft mehr Ratlosigkeit als Strategien zutage. Die Narben der verlorenen Schlachten im Lebensschutz schmerzen. In der Debatte um die Homo-„Ehe“ und das Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Paare verleitet die Furcht, als homophob abgestempelt zu werden, zu einer negativen Klugheit nach der Maxime „besser aus allem heraushalten“. Viele Fromme bleiben Wahlen ohnehin aus Gewissensgründen fern und beschränken sich auf das private Gebet. Die Frage nach einem parteipolitischen Engagement löst gerade bei überzeugten jungen Katholiken Kopfschütteln aus. Ihnen fehlt die Erfahrung, dass engagierte Christen aus gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen auch als Gewinner hervorgehen können.

Beispiel Frankreich: Dort stemmen sich weite Teile der Kirche gegen die Pläne der Regierung, das Recht des Kindes auf Vater und Mutter durch die Einführung der Homo-„Ehe“ zu untergraben. Der letzte konstruktive Konflikt der Kirche mit einer sozialistischen Regierung liegt dort fast dreißig Jahre zurück: 1984 widersetzten sich katholische Eltern erfolgreich den Plänen Mitterrands, die Privatschulen abzuschaffen. In diesem Jahr zeigen viele französische Gläubige Flagge für die traditionelle Familie: Das öffentliche Gebet für die Nation im August und die Aufforderung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Abgeordnete anzuschreiben und die Medien einzuschalten, zeigen Wirkung – Demonstrationen für die Familie inklusive.

Auch in Spanien sind die Katholiken mit ihrer offensiven Strategie bisher gut gefahren. Die Kirche hat sich in der Krise als verlässlicher Partner der Armen bewährt. Ein Ziel haben die Gläubigen, die am Sonntag auf dem Kolumbusplatz für Gesetzesänderungen beten, schon erreicht: Der Schutz der Familie und des Lebens bleibt auf der politischen Agenda.

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