Im Blickpunkt: Offene Fragen im Limburg

Von Regina Einig

Nach der unerwarteten Kostenexplosion auf dem Limburger Domberg von ursprünglich fünf auf 31 Millionen Euro drängen immer mehr Stimmen auf eine rasche Klärung der Situation. Das ist verständlich. Seit Ende Juni sind die Arbeiten offiziell abgeschlossen. Bau- und Sanierungskosten des Diözesanen Zentrum St. Nikolaus müssen aufgrund der Handwerkerrechnungen nachvollziehbar sein. Die zügige Veröffentlichung einer schlüssigen Kostenaufstellung wäre ein wichtiger Schritt. Sie könnte Berichten entgegenwirken, denen zufolge das Ende der Fahnenstange möglicherweise auch mit 31 Millionen noch nicht erreicht ist und die Auflagen des Denkmalschutzes weitaus geringer als bisher vermutet zu Buche schlugen.

Doch selbst wenn das Bistum Limburg dazu bereit wäre und Bischof Tebartz-van Elst die volle Verantwortung übernähme, blieben viele Fragen offen. Nicht einmal ein Rücktritt des Bischofs könnte davon ablenken, dass in Limburg mehr aus dem Ruder gelaufen ist als die Baustelle auf dem Domberg. Planung und Durchführung eines Projektes dieser Größenordnung laufen nicht allein über den Schreibtisch des Bischofs. Man macht es sich zu leicht, das Lied vom „Protzbau“ zu wiederholen, das durch tägliches Wiederholen nicht besser klingt. Wenn die Kosten aufgrund nachträglicher Änderungen aus den Fugen geraten sind – wer hat grünes Licht gegeben? Warum arrangierte sich der Vermögensverwaltungsrat jahrelang mit seiner angeblichen Unkenntnis der Situation? Wozu braucht es dann überhaupt einen Vermögensverwaltungsrat?

Das Bauprojekt in Limburg steht nicht erst seit Montag unter medialem Beschuss. Schon Ende 2010 erschienen Zeitungsberichte, denen aufmerksame Leser im Bischöflichen Ordinariat entnehmen konnten, dass sich auf dem Domberg ein Politikum ankündigte. Welche Verantwortung übernimmt der Generalvikar als „alter ego“ des Bischofs? Was versteht er unter Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter der Diözese? Einem TV-Bericht zufolge soll ein Mitarbeiter der Diözese zum Lügen gezwungen worden sein. Dementiert wurde bisher nichts. Wie entsteht ein Arbeitsklima, das solche Spannungen zulässt? Wem nützt das dröhnende Schweigen des Weihbischofs? Es mag verlockend sein, Bischof Tebartz-van Elst für alles verantwortlich zu machen, zumal der Rückhalt für ihn auch in den Reihen der Unterstützer in dieser Woche deutlich geschwunden ist. Doch ein Rücktritt des Bischofs wäre nicht automatisch ein Neuanfang.

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