Im Blickpunkt: Ökumene: Mehr Realismus bitte

Foto: DT | Markus Reder.
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Deutschland wird in Berlin regiert, die Kirchen des Landes von München aus. Nicht nur der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, auch der neue Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, wirkt in der bayerischen Landeshauptstadt. Damit nicht genug der Gemeinsamkeiten: Auch Bedford-Strohm zählt zu den politisch hochbegabten, stark sozial engagierten Kirchenmännern. Seine Mitgliedschaft in der SPD ruht derzeit. Eloquent, telegen und mit seinen intensiven Aktivitäten in den neuen Medien wird die Präsenz der Protestanten in der öffentlichen Wahrnehmung mit Bedford-Strohm sicher nicht geringer werden. Auch in Sachen Ökumene erwartet man vom neuen EKD-Chef wichtige Impulse. Das wäre nach den Verärgerungen, die das EKD-Papier zum Reformationsjubiläum unter Katholiken verursacht hat, in der Tat sehr wünschenswert.

Allerdings hat die Synode der EKD in dieser Woche auch gezeigt: wichtiger als ökumenische Zwangseuphorie ist ein gesunder theologischer Realismus. Die „Botschafterin“ des EKD-Rates für das 500-Jahr-Gedenken des Reformationsbeginns, Margot Käßmann, sagte vor der Synode in Dresden mit Blick auf die katholische Kirche: „Wir werden 2017 ein Zeichen der Versöhnung brauchen.“ In einer Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) wurde daraus dann die Nachricht: Käßmann hofft zum Reformationsjubiläum auf Versöhnung mit den Katholiken.

Bevor das Reformationsjubiläum mit völlig unrealistischen Hoffnung auf Einheit und Versöhnung derart aufgeladen wird, dass es am Ende vor allem Enttäuschung produziert, ist ökumenischer Realismus der bessere Weg. Solcher Realismus ist keineswegs ein Zeichen von mangelndem Einheitswillen, fehlendem Gottvertrauen oder lauer Hoffnung, sondern zeugt von theologischer Ernsthaftigkeit und aufrechtem Ökumenismus.

Die schleichende Protestantisierung der katholischen Kirche ist ebenso wenig ein Beitrag zu wahrer Ökumene wie die Selbstsäkularisierung und der Kotau vor dem Zeitgeist, den man innerhalb der evangelischen Kirche beobachten kann. Luther hätte es davor gegraut. Bekenntnistreue im Glauben, vernünftige Theologie, Fairness im Umgang miteinander und das gemeinsame Zeugnis in die Gesellschaft hinein sind der beste Beitrag, um auf dem steinigen Weg der Ökumene Schritt für Schritt voranzukommen. Wie schwer oft schon dieses gemeinsame Zeugnis geworden ist, zeigt sich leider immer wieder. Angefangen beim Thema Ehe und Familie bis hin zu Fragen des Lebensschutzes, wo Teile der evangelischen Kirche christlichen Konsens längst aufgekündigt haben. Gemeinsam auf Christus zu schauen, um sich so näherzukommen: Das ist entscheidend. Falsche Erwartungen an das Reformationsjubiläum sind da nur hinderlich.

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