Im Blickpunkt: Mission und Maria

Von Regina Einig

Ministrant zu werden bedeutet für viele Kinder und Jugendliche heute eine Charakterschule: Zum ersten Mal gehen Sie einen Schritt ohne das Gros der Altersgenossen. Da nicht alle „Minis“ eine größere Geschwisterschar haben oder in der Klasse Gleichgesinnte finden, die mitziehen, scheiden sich die Wege oft nach zwei oder drei Jahren: Die einen entdecken im reichen Land der katholischen Liturgie Schätze, für die sich eigenständige Entscheidungen lohnen. Und sie machen die Erfahrung, dass das Leben auch dann noch schön ist, wenn sie auf Vereine verzichten, die auf Ministrantenproben und sonntäglichen Kirchgang keine Rücksicht nehmen, Stichwort Fußball.

Andere werfen frustriert oder schlicht gelangweilt das Handtuch. Dass es nicht so weit kommt, hängt von der Familie und dem Stil und Geschick der Pfarreien ab. Ministrantenwallfahrten sind für die einen eine Aufbauspritze gegen Durchhänger und für andere eine Initialzündung: In einer Stadt wie Rom beeindruckende Kirchen und gläubige Gleichaltrige in Hülle und Fülle zu entdecken – das kann begeistern. Das tief verwurzelte deutsche Misstrauen gegen katholische Großveranstaltungen mit Jugendlichen und Papst ist in dieser Woche wieder ein Stück abgebaut worden. Es ist kein Zufall, dass die Ministrantenwallfahrt nach Rom in denselben Jahren Fahrt aufnahm, in denen die hartnäckigen Bedenken des katholischen Establishments gegenüber Weltjugendtagen in Deutschland immer weniger Eindruck auf die Jugendlichen machten.

Nun liegt es an den Pfarreien, dafür zu sorgen, dass möglichst viel vom großen Fest in der Ortskirche ankommt und bei den Rompilgern hängenbleibt. Die Begegnung mit Papst Franziskus am Dienstag bietet Stoff für mehr als eine Messdienerstunde. Bei seinem ersten großen Treffen mit deutschen Laien hat der Heilige Vater dem selbstreferenziellen Katholizismus erneut eine klare Absage erteilt. Auf die unglückliche Eingangsfrage der Ministranten, was sie tun könnten, um in der Kirche mehr zur Geltung zu kommen, antwortete der Papst mit dem Hinweis auf den Missionsauftrag der Jungen gegenüber ihren Gleichaltrigen. Und mit Nachdruck hob er das Vorbild Mariens hervor. Dieser Fingerzeig auf den selbstlosen Dienst der Mutter Jesu gilt nicht allein den Ministranten, sondern allen katholischen Laien. In Gremien, Liturgieausschüssen und Dialogforen sollte darum selbstkritisch nachgefragt werden dürfen, was Erwachsene den Jungen vorleben: gemeindekompatible Selbstdarstellung oder echte Nachfolge Christi.

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