Im Blickpunkt: Massen-Messen: Muss das sein?

Die verregnete Massenmesse am Ostersonntag auf dem Petersplatz war nicht die erste „missglückte“ Eucharistiefeier, der Papst Benedikt vorstehen musste. Auch seinen Pastoralbesuch in Neapel im Oktober vergangenen Jahres hatte das Wetter zu einer eiswindigen Begegnung werden lassen. Nur wenige Tausend feierten damals mit Benedikt XVI. vor der Kirche San Francesco di Paola den Gottesdienst, wobei sie und der Papst allerdings – von Regen und Windböen zusammengetrieben – so etwas wie eine schicksalhafte Gemeinde bildeten.

Das war am Ostersonntag in Rom nicht der Fall. Weit weg auf dem Sagrado der Papst und die Ehrengäste. Um den Obelisken herum ein Kommen und Gehen. Mancher, der sich durch die Sturzbäche vom Kolonnadensims hindurch auf den Platz geschlängelt hatte, zündete sich erst einmal eine Zigarette an. In jeder Pfarrei wäre vor einer geplanten Messe im Freien bei solch einem Unwetter irgendwann jemand an das Mikrofon getreten und hätte den Wartenden gesagt: Kommt in die Kirche, der Gottesdienst findet im Trockenen statt. Bei Papstmessen geht das nicht. Hier führt das Fernsehen Regie. Nach tagelangem Aufbau von Kameras, Beleuchtung, Blumenschmuck und der Erstellung eines peinlich genauen Drehbuchs wagt es niemand im Vatikan, den Produktionschefs eine kurzfristige Änderung vorzuschlagen. Da heißt es dann nur: Schirme auf, Augen zu und durch.

Einer, der durchaus kritisch über große Massen-Gottesdienste im Freien nachdenkt, ist kein geringerer als Papst Benedikt selbst. Auch die Messe beim Jugendtreffen in Loreto 2007 war für viele Teilnehmer zu einem Hocken vor Großbildschirmen verkommen. Danach befragt, erinnerte der Papst im freien Gespräch mit Priestern der Diözese Rom am 7. Februar an den Eucharistischen Kongress von 1960 in München, wo eine der ersten Messen mit Tausenden von Menschen gefeiert wurde. Damals, so erklärte er jetzt, sei sofort die Frage aufgekommen, „wie das möglich sein sollte. Anbeten, so sagte man, kann man auch aus der Ferne. Aber um die Eucharistie zu feiern, bedarf es einer kleineren Gemeinde, die in Wechselbeziehung zum Mysterium steht, einer Gemeinde, die zur Feier des Mysteriums versammelt ist.“ Für den Papst eine ungelöste Frage, „weil die konkrete Gemeinschaft bei der Feier grundlegend ist. Und daher finde ich nicht“, so Benedikt XVI., „dass man wirklich die endgültige Antwort gefunden hat.“ Gegen die Begegnung des Papstes mit großen Massen kann der Vatikan nichts haben. Aber muss das dann immer eine Eucharistiefeier sein? Guido Horst

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer