Im Blickpunkt: Hans Küngs Konzilsträume

Hans Küng betrachtet sich neben Papst Benedikt XVI. als den weltweit einzigen noch voll aktiven Konzilstheologen, quasi als einen Garanten konzilsväterlichen Willens, wenn er den Weltepiskopat nun zum offenen Widerstand gegen den Papst auffordert. Die Vorstellung an eigenmächtige bischöfliche „Reformen“ und ein neues Konzil berührt emotional aufgewühlte Gemüter in diesen Tagen zweifellos angenehm. Und Küng wirkt entschlossen, Gefühlshaushalte statt Gehirne zu füttern. In einem wirren Stakkato von Unwahrheiten und Unterstellungen verreißt der Pensionär das Pontifikat seines ehemaligen Kollegen Joseph Ratzinger. Mit der Entschlossenheit des Fanatikers blendet Küng Fakten aus, die nicht ins diffamierende Bild passen. Kein Wort über die weltweiten Solidaritätsbekundungen mit dem Papst in einer weltweit wachsenden Gemeinschaft der Katholiken auf dem Globus und den Dialog der Kirche mit den modernen Wissenschaften, den einzelne katholische Universitäten heute beispielsweise in Form einer verantwortungsbewussten Forschung an adulten Stammzellen fördern. Kein Wort über anerkennende jüdische Stimmen zu Benedikts Pontifikat. Die Bereitschaft des Heiligen Stuhls, sich den Bitten übertrittswilliger anglikanischer Christen nicht zu verweigern, mutiert in Küngs Darstellung zum Versuch, Geistliche in die Kirche zu „locken“.

Küng selbst scheint allfälligen Erwartungen der Gläubigen an den Weltepiskopat, ohne den das ersehnte Konzil nicht stattfinden könnte, jedoch vorbeugen zu wollen: Mit seiner abenteuerlichen These von einem von Rom gesteuerten „weltweiten Vertuschungssystem von klerikalen Sexualvergehen“ unterstellt er unausgesprochen auch den Bischöfen eine Komplizenrolle. Tatsächliche Defizite übersieht Küng: Wie könnte eine Kurie den Papst in seiner „antikonziliaren Politik“ „voll“ unterstützen, die knapp drei Jahre nach dem Erscheinen des Motu proprio „Summorum pontificum“ über die überlieferte Liturgie noch immer keine Übersetzung in die wichtigsten Weltsprachen zustande gebracht hat?

Offenen Briefen haftet immer etwas Hilfloses an. Aus der Feder eines suspendierten Theologieprofessors im Ruhestand dokumentieren sie übersteigertes Sendungsbewusstsein und Unfehlbarkeitsallüren. Vom persönlichen Glaubenszeugnis spricht Küng nur einmal – in der Schlussfloskel. Dass seriöse Zeitungen Küngs kruden Darstellungen ungekürzt ein Forum gegeben haben, ist nicht nachvollziehbar – auch wenn die Kirche in diesen Tagen einen unübersehbaren Vertrauensverlust erlebt und zweifellos reformbedürftig ist. Regina Einig

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